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Exakt am fünften Todestag von Oury Jalloh bestätigte der Bundesgerichtshof (BGH), was die Initiative Oury Jalloh und andere Organisationen bereits seit Langem kritisierten: Der Prozess vor dem Landgericht Dessau gegen die diensthabenden Polizeibeamten war eine Farce und hatte mit einem rechtsstaatlichen Prozess nichts zu tun!
Der Prozess wird nun vor dem Landgericht Magdeburg neu aufgerollt
Das Fortbestehen des Kampfes gegen Rassismus und rassistische Polizeibrutalität sollte nicht eine Frage des Geldes sein, sprich die Arbeit sollte nicht daran scheitern!
Gelder werden vor allem benötigt, um den neuen Prozess in Magdeburg kritisch zu begleiten, Plakate und Informationsmaterial zu drucken, Veranstaltungen, Demos und andere Aktionen, die einen wichtigen Teil unsere Arbeit ausmachen, durchzuführen, Koordinierungstreffen zu organisieren und den Aufbau einer internationalen unabhängien Untersuchungskommission voranzutreiben etc.
Deshalb rufen wir Euch alle zu einer Spende auf, damit der Kampf gegen den strukturellen Rassismus weitergehen kann! Mit Eurer Spende, egal wie hoch, helft Ihr uns, unsere politische Arbeit fortzuführen und weiterhin unerbittlich für Gerechtigkeit, Wahrheit und Entschädigung zu kämpfen.

Für Spenden stellen wir auf Wunsch Spendenquittungen aus.
die Spenden für den Förderverein The Voice e. V. sind steuerabzugsfähig.

Förderverein The VOICE e. V., Göttingen
Sparkasse Göttingen
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STICHWORT: Oury Jalloh

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Pressemitteilung: Demo zum 5. Todestag Oury Jallohs

Am 17. Dezember 2009 sollte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe über die Revision gegen den Freispruch der zwei Polizeibeamten entscheiden. Das Urteil wurde auf den

07. Januar vertagt, den fünften Todestag Oury Jallohs. Um uns gemeinsam für Gerechtigkeit im Falle Oury Jallohs und ähnlichen Fällen einzusetzen, rufen wir zur Demonstration in Dessau am 07. 01. 2010 auf. (Abfahrt aus Berlin mit dem Bus ab Alexanderplatz um 10 Uhr.)

Oury Jalloh wurde am Morgen des 7. Januar 2005 von der Dessauer Polizei aufgegriffen, in der Zelle Nr. 5 an Händen und Füßen gefesselt, an Wand und Boden gekettet und dadurch gezwungen, auf einer feuerfesten Matratze zu liegen, auf der er kurz nach Mittag lebendig verbrannte. Die Black Community in Dessau forderte eine Untersuchung der Todesumstände Oury Jallohs: Wie kann es möglich sein, dass sich ein an Händen und Füßen gefesselter Mensch selbst anzündet, obwohl sich die Matratze nicht ohne Hilfsmittel anzünden lässt?

Wir fordern: Aufklärung, Gerechtigkeit und Entschädigung

Obwohl in der zweiten, unabhängig durchgeführten Obduktion – im Gegensatz zur ersten – Verletzungen am Körper, wie z.B. die gebrochene Nase und das verletzte Trommelfell, gefunden wurden, schloss das Landgericht Dessau die Akte, unter dem Vorwand unzureichender Beweise, und lehnte ein Gerichtsverfahren ab. Durch starkes Durchhaltevermögen und Widerstand der „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“, der African/ Black Communities sowie vieler verschiedener Menschen, wurde der Prozess am 27. März 2007 eröffnet, um den Widersprüchen und Ungereimtheiten in diesem Fall zu begegnen. Wie konnten eine Handfessel und ein Video vom Tatort während der Ermittlungen einfach verschwinden?

Oury Jalloh – Das war Mord!

Die zwei Angeklagten Andreas S. und Hans Ulrich M. wurden am 8. Dezember 2008 freigesprochen. Nach dem Prozess betonte Richter Manfred Steinhoff zwar, dass die Dessauer Polizei geschlampt hat und die „Falschaussagen der Beamten (…) dem Land Sachsen-Anhalt schaden“ würden, während des gesamten Prozesses unternahm er dagegen jedoch nichts. Ein Aktivist meint dazu: „Es war das Abscheulichste, was wir hier gesehen hatten. Der Mord an Oury Jalloh zeigte uns, dass unsere Kinder morgen hier nicht mehr sicher sein werden. Er öffnete uns die Augen und machte und die Dringlichkeit unserer Aktivitäten klar.“

Demo in Dessau am 07. 01. 2010

Start: Dessauer Hauptbahnhof 14 Uhr

Abfahrt aus Berlin mit dem Bus ab Alexanderplatz um 10 Uhr

Treffpunkt: Reisezentrum Alexanderplatz im S-Bahnhof

Kontakt: 0174 74 77 656

http://initiativeouryjalloh.wordpress.com

http://thecaravan.org

http://thevoiceforum.org

Mehrere Polizisten drangen am 16.12.09 gegen 14°° Uhr in das Telecafe, wo nach dem grausamen Tod Oury Jallohs sein Freund Mouctar Bah zusammen mit anderen die „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“ gründeten.

Die Polizisten kamen ohne einen richterlichen Beschluss. Der Einsatzleiter war auf dem Präsidium geblieben. Ein Beamter vor Ort sprach vom neuen Polizeigesetz und von verrufenen oder verruchten Orten und dass dies jetzt erlaubt sei. Mehrere Personen, die sich im Laden aufhielten, wurden kontrolliert. Die Polizei durchsuchte das Telecafe ohne Zeugen. Herrn Mouctar Bah und anderen Anwesenden wurde die Beobachtung der Durchsuchung verweigert. Über vier Stunden dauerte die Aktion in den kleinen Räumen des Telecafes. Auch ein Polizeihund wurde durch den Laden gebracht. Genau wie die Beamten ohne ein rechtliches Schriftstück kamen, so verließen sie den Laden ohne ein Protokoll o.ä. zu hinter lassen.

Herr Bah versuchte während der gesamten Zeit mit dem Einsatzleiter des polizeilichen Überfalls zu sprechen. Dieser allerdings blieb die ganze Zeit über in der Polizeistelle Dessau-Roßlau. Auf unsere Nachfragen bei der Polizeidirektion hieß es, dass die Durchsuchung im Rahmen einer Aktion gegen den Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz (BTM) stattfindet. Mehr Informationen wollte Herr Dammenheim von der Polizeiführung nicht geben und zitierte eine Presseerklärung, die der Dessauer Staatsanwalt Herr Preissner zusammen mit der Pressesprecherin der Polizeidirektion Frau Wendland heute an die Presse weitergeleitet haben. In dieser wird mitgeteilt, dass die Ergebnisse der heutigen Aktion im Laufe des morgigen Tages, als am 17.12.2009 der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Zur gleichen Zeit findet morgen, am 17.12. 2009, vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe die Verhandlung über die Zulassung der Revision im Verfahren Oury Jalloh statt. Herr Bah und weitere Mitglieder der „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“ trafen zur Zeit der Polizeiaktion gerade ihre Vorbereitung für die Fahrt nach Karlsruhe.

Morgen, wenn der Fall Oury Jalloh wegen des Revisionsverfahren und des BGH Termins die Presseaufmerksamkeit auf sich zieht, werden die Polizeidirektion Dessau und Staatsanwalt Preissner ihre eigenen Nachrichten mit einer BTM-Aktion im Dessauer Stadtgebiet machen.

Staatsanwalt Preissner war der leitende Staatsanwalt im Dessauer Polizeiverfahren. Er hat verhindert, dass offene Ermittlungen zum Tod Oury Jallohs in alle Richtungen geführt werden. Er hat von Beginn die These oder Schutzbehauptung der Polizei vertreten- Oury Jalloh habe sich selbst verbrannt.

Alle „Ermittlungspannen“, die verschwundenen Beweismittel und die zahlreichen Lügen der PolizistInnen vor Gericht haben nichts daran geändert. Aber es hat einer größeren Öffentlichkeit vor Augen gebracht: Oury Jallohs grausamer Feuertod war Mord.

Die fortgesetzte Arbeit der „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“ ist den Behörden weiter ein Dorn im Fleisch. Deswegen wird immer wieder Herr Bah und das Telecafe in Dessau zum Angriffsziel. Während Herr Bah von zivilgesellschaftlichen und Menschenrechtsorganisationen für sein Engagement gegen Rassismus und Polizeigewalt mit Ehrungen ausgezeichnet wurde, haben die Dessauer Behörden seit dem ersten Protest für die Aufklärung der Todesumstände Oury Jallohs eine Diffamierungs- und Verfolgungskampage gegen Herrn Bah begonnen. Sein Laden und seine Gewerbelizens wurden ihm entzogen. Mehrere Verfahren wegen angeblicher Beleidigung u.ä. geführt und wieder eingestellt. Nur vier Tage nachdem Herr Bah in Berlin von der Internationalen Liga für Menschenrechte für sein Engagement mit der „Carl-von-Ossietzky-Medaille“ geehrt wurde, ist er wieder zur Zielscheibe der Dessauer Polizei geworden.

Die „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“, The VOICE Refugee Forum und die KARAWANE für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen verurteilen die willkürliche und rechtlich unhaltbare Polizeiaktion.

Alle diese Versuche der Bedrohung und Einschüchterung werden unseren Kampf gegen rassistische Polizeigewalt und staatlichen Rassismus und unsere Solidarität mit den Angegriffenen stärken.

Oury Jalloh – das war Mord! Gedenkdemonstration zum 5. Jahrestag am 07. Januar 2010 14°° Dessau Hauptbahnhof

anlässlich der Verhandlung vor dem Bundesgerichtshof
über die Revision im Falle des ermordeten Oury Jallohs in Karlsruhe

16. Dezember 2009

Fast fünf Jahre nach dem Tod des Flüchtlings Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle und ein Jahr nach dem Freispruch der beteiligten Polizisten wird am 17. Dezember der Bundesgerichtshof in Karlsruhe über die Revision gegen den Spruch des Dessauer Landgerichts vom 8. Dezember 2008 diskutieren. An diesem Tag stehen wir geschlossen hinter der Familie Oury Jallohs und ihren Forderungen nach Wahrheit und Gerechtigkeit. Wir werden wachsam und genau verfolgen, wie sich das kolonial geprägte Recht verhält.

Der Prozess Oury Jalloh in Dessau – Ein Prozess mit klarem Ausgang

Vor etwa fünf Jahren als wir zusammenkamen, um nach den Gründen für den Tod Oury Jallohs zu suchen, empfingen wir immer wieder Ohrfeigen. Die Enthüllungen über die rassistischen Aussagen von niederen und hohen Polizeibeamten, die Versäumnisse der Ermittlungsbehörden, sowie die gleichzeitige Verfolgung unserer Freunde und Freundinnen und letztendlich das Gerichtverfahren, das der Öffentlichkeit den Schein einer Demokratie vortäuschen sollte, sind nur einige Facetten der Erniedrigungen. Speziell wir Flüchtlinge und MigrantInnen waren wütend über die offensichtlichen Lügen und über die Haltung des Richters. Er folgte den ihm von der Staatsanwaltschaft vorgegebenen Weg und wollte belegen, warum Oury Jalloh sich umgebracht haben sollte. Die verhörten Polizeibeamten, das waren immerhin 50 der 60 vernommenen Zeugen, brauchten im Landgericht Dessau keine Konsequenz fürchten.

Am letzten Prozesstag, am 8.Dezember 2009, also am Tag des Freispruchs bestätigte Richter Steinhoff die Mängel bei den Ermittlungsverfahren „Der weitere Verlauf der Ermittlungen ist durch Pleiten, Pech, Pannen und Unvermögen gekennzeichnet.“. Er beschwerte sich bei den anwesenden im Gericht über die dort gemachten Lügen: „Es ist schon erschreckend, in welchen Maße hier schlicht und ergreifend falsch ausgesagt wurde.“ Er sprach sich selbst frei der Wahrheit nicht näher gekommen zu sein: „Das, was hier geboten wurde, war kein Rechtsstaat mehr und Polizeibeamte, die in einem besonderen Maße dem Rechtsstaat verpflichtet waren, haben eine Aufklärung verunmöglicht. All diese Beamten, die uns hier belogen haben sind einzelne Beamte, die als Polizisten in diesem Land nichts zu suchen haben.“ Die Aussagen des Herrn Steinhoff waren nur Schein für die interessierte Presse. Mit der letztgenannten Aussage beruhigt er die Menschen: Nur einzelne Polizeibeamten seien für den unglücklichen Tod Oury Jallohs verantwortlich. Im schriftlichen Urteil des Richters Steinhoff im März 2009 widerspricht er jedoch seinen Aussagen vom Dezember 2008. Die Polizisten werden als glaubhaft, ehrlich, helfende und sorgsame Menschen beschrieben, die sich sogar um den aggressiv und beleidigend auftretenden Oury Jalloh gekümmert hätten. In dem schriftlichen Urteil werden alle Vorurteile aus dem Register gezogen, denen Afrikanern aus Sicht der Kolonialisten seit Jahrhunderten zugeschrieben werden: wild, unbeherrscht, unzivilisiert und aggressiv. Im Gegensatz dazu sind die deutschen Polizeibeamten höfliche Menschen, die sogar einem nach dem Ausweis fragen. Das ganze Papier widerspricht all unseren Erfahrungen als Flüchtlinge, die sich ständig gegen Beleidigungen und Erniedrigungen wehren müssen, vor allem bei rassistisch motivierten Ausweiskontrollen an Bahnhöfen oder sonstwo. Dass das deutsche Gesetz solchen Praktiken unter anderem durch die Residenzpflicht, eine im Wortlaut von einer Polizeiverordnung der Nazis abgeschriebenes Gesetz, Rückendeckung bietet, muss auch Richter Steinhoff bekannt sein.

Die Lügenkonstrukte der staatlichen Stellen können durch ihre Manöver, sei es im Gericht oder in der Öffentlichkeit, nicht die Ursachen für das Sterben von vielen Menschen vertuschen: weder den Mord an Oury Jalloh, noch die an Laye Alame Konde, Dominique Koumadio, Maryama Sarr, Halim Dener noch an allen anderen Opfer der Polizeigewalt. Niemand kann die Tausenden Toten leugnen, die während Abschiebungen oder bei der Abwehr von Flüchtlingen an den Außengrenzen Europas oder bereits auf anderen Kontinenten mit Geldern aus Deutschland gemordet werden. Doch das Urteil will uns durch die Überlegenheit der Macht zeigen und letztendlich klarmachen, dass unsere Wildheit selbst der Grund für den Tod unserer Brüder und Schwestern ist.

Nichts ist barbarischer als der reaktionäre Krieg um Rohstoffe. Nichts ist barbarischer als hochausgerüstete Krieger und Armeen im Namen der Wirtschaft in die Welt zu schicken, um den Erdball zu unterwerfen und nichts ist barbarischer und fundamentalistischer als Kriege für persönlichen Profit einiger auszulösen. Nichts ist barbarischer als mit hochausgerüsteten Polizisten auf friedliche Demonstranten loszugehen, die für eine saubere und friedliche Welt in Kopenhagen auf die Straße gehen. Nichts ist brutaler als mit Polizisten auf friedliche kurdische Demonstranten in Berlin loszugehen und gleichzeitig zu schweigen zum Verbot einer demokratischen kurdischen Partei und zahlreichen Verhaftungen in der Türkei. All die menschlichen Werte verteidigen wir weiterhin gegen der kolonialen Barbarei des Kapitalismus und der Menschen, die diese vorantreiben.

In Gedenken an all die Opfer für eine Gesellschaft frei von Ausbeutung und Krieg

Wir werden weiterhin in diese Gesellschaft die Wahrheit und unsere Würde verteidigen und auch dem Teil der Gesellschaft, die zu all den Morden schweigt, die Namen der Toten vorlesen. An ihren Todestagen erinnern wir immer wieder daran, wie barbarisch das ganze System ist. Wir werden auch denjenigen selbsternannten Vertretern, die für uns sprechen wollen, durch unser Auftreten zeigen, dass wir keine Herren brauchen. Das Urteil des Gerichts ist die Konsequenz der kolonialen Dominanz, das Schweigen der Gesellschaft ist sowohl diesem Überlegenheitsgefühl als auch der Gleichgültigkeit der Individuen im Kapitalismus gegenüber anderen geschuldet. Das Schweigen der sich selbst ernannten fortschrittlichen Menschen ist ihrer Angst geschuldet, ihrer Angst die bequemen Positionen in der ersten Reihe aufgeben zu müssen und aktiv für eine Gesellschaft frei von Mord und Totschlag, frei von Ausbeutung und Krieg einzutreten. Für uns ist der Weg klar und deutlich: der Kampf um Würde im Falle Oury Jalloh ist gleichzeitig der Kampf um Würde für die Brüdern und Schwestern in den Isolationsheimen in Deutschland. Es ist gleichzeitig der Kampf um Würde für alle unseren Verwandten in den dominierten Erdteilen gegen die koloniale Selbstverständlichkeit und Dominanz. Er ist gleichzeitig die Schule, in der wir Solidarität und aktives kollektives Handeln lernen.

Wir fordern alle auf, an dem Tag der Verhandlung in Karlsruhe zu verfolgen, ob der Bundesgerichtshof ernsthaft die bisherigen Mängel im Falle Oury Jallohs untersucht. Weiterhin laden wir alle Menschen ein, am 7. Januar nach Dessau zu kommen, um symbolisch am Todestag von Oury Jalloh und Laye Alama Konde allen Opfern der Polizeibrutalität und der kolonialen Herrschaft zu gedenken und Solidarität und Einheit gegen die Verbrechen und gegen das ausgesprochene Unrecht zu demonstrieren.

In Gedenken an all unsere Toten setzen wir der kolonialen Barbarei unsere Solidarität entgegen.

Mehr Informationen finden Sie im Anschluss.

Samad Ali im Namen der

KARAWANE für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen

Bericht

Bei einer feierlichen Preisverleihung wurden am Sonntag den 13.12.09 Mouctar Bah aus Dessau (Oury-Jalloh-Gedenkinitiative), Stefan Schmidt aus Lübeck (Kapitän der “Cap Anamur”) und die tunesischen Fischer, die in 2007 44 Flüchtlinge auf hoher See retteten, mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille geehrt. Die Verleihung fand im Haus der Kulturen in Berlin statt.

Die Internationale Liga für Menschenrechte (ILMR) verleiht diesen Preis seit 1962 an Personen, die sich mit besonderer Zivilcourage um das Menschenrecht verdient gemacht haben. Zu den Preisträgern der früheren Jahre gehörten u.a. Persönlichkeiten wie Heinrich Böll, Günther Wallraff und Erich Fried.

Bei der Eröffnungsrede gab die Präsidentin der ILMR Fanny-Michaela Reisin u. a. bekannt:
“Im Mittelpunkt unseres Festakts heute steht zweifellos das bittere Problemgeflecht Flucht, Migration und Rassismus.” Sie sprach u. a. von der erbarmungslosen Einwanderungspolitik der EU bei Abschreckung der Flüchtlinge mit Lagern und Frontex-Überwachungspolitik.

Stefan Schmidt hatte in 2004 als Kapitän der “Cap Anamur” 37 Flüchtlinge im Mittelmeer aus Seenot gerettet und war dafür wegen “Beihilfe zur illegalen Einwanderung” vor dem Gericht in Agrigent angeklagt worden. Er wurde erst in 2009 freigesprochen. Schmidt teilte den Preis mit den tunesischen Fischern, die jetzt ebenfalls in Agrigent angeklagt sind, weil sie Flüchtlinge retteten. Abdel Bassete Jenzeri und Mohamed Amine Bayoudh als Familienmitglieder der Fischer waren stellvertretend gekommen, um an der Preisverleihung teilzunehmen. Die Fischer hatten in 2007 für 44 Menschen in Seenot Rettung gebracht. Ihnen drohen jetzt Elend und Gefängnis, da die Staatsanwaltschaft für sie hohe Haftstrafen beantragt hat. Sie benötigen daher jetzt internationale Hilfe und Unterstützung, Infos zur Situation gibt es u. a. bei www.borderline-europe.de.

Mouctar Bah hatte nach dem qualvollen Verbrennungstod von Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle am 7. 1. 05 für Wahrheit, Gerechtigkeit und Entschädigung gestritten. So hatte er die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh mitgegründet.

Zum Rassismus in Deutschland äußerte sich der bekannte Journalist Günther Wallraff in seiner Laudatio über Mouctar Bah. Wallraff sah eine “unerklärte Apartheid in unserem Land” gegeben. Im Gerichtsprozeß zu Oury Jalloh habe es “von Anfang bis Ende Lügen und Vertuschungen gegeben, die zum Freispruch (der beiden angeklagten Polizeibeamten) führten.” Zum Prozeß erzählte Wallraff, dass er von delegierten Prozeßbeobachtern aus Südafrika erfuhr, dass die starke Polizeipräsenz vor Ort sie an die Zeit der Apartheid in ihrem Land vor 1990 erinnert habe. Mouctar Bah habe sich “lückenlos für Gerechtigkeit eingesetzt”. Doch wurde ihm mit einem “Willkürakt des Ordnungsamtes Dessau” die Lizenz für sein Internetcafé entzogen. Wallraff forderte entgegen diesem “Handeln des Ordnungsamtes in dumpfer Beschränkung”, dass die Lizenz an Bah wieder ausgehändigt wird. Er schlug auch darüber hinaus vor, dass Bah zum Ehrenbürger der Stadt Dessau ernannt werden solle.

Die ILMR forderte ebenfalls die Wiederaushändigung der Lizenz an Bah und “umfassende Aufklärung” im Fall Oury Jalloh durch eine Unabhängige Internationale Untersuchungskommission. Sie forderte außerdem ein Ende der Zwangsunterbringung von Flüchtlingen in deutschen und europäischen Lagern und die Freilassung der tunesischen Fischer, die jetzt in Agrigent angeklagt sind.

Die menschenverachtende Überwachungspolitik an den EU-Außengrenzen mit Frontex war ein wichtiger Punkt in den Ansprachen verschiedener bekannter Persönlichkeiten bei der Laudatio für die Preisträger. So äußerte Madjiguène Cissé (Organisation REFDAF für Frauen und Sans Papiers, Senegal): “Das Problem besteht darin, dass die Flüchtlinge, indem sie diese Frontex-Patrouillen vermeiden wollen, sich immer mehr in gefährlichen Lagen befinden und ihr Leben riskieren. Und wenn sie nach Nordafrika, Libyen abgeschoben werden, schiebt sie Libyen oder Tunesien weiter in ihre Länder. Auch wenn sie dort der Tod erwartet…Aber was ist ein Flüchtlingsleben wert? Wäre dieses Leben etwas wert, würde heute Italien vor Gericht stehen wegen unterlassener Hilfeleistung für Personen in Gefahr und wiederholter Verletzung der Menschenrechte.”

Weitere angereiste Redner waren Yossi Bartal ( Israeli Anarchists Against the Wall) und Issa Khatib (Palestinian Popular Committee of Bil`in).

Mouctar Bah, Gründer der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh, wird von der Internationalen Liga für die Menschenrechte mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille ausgezeichnet. Die öffentliche Verleihung erfolgt am 13.12. von 11 Uhr bis 13 Uhr im Haus-der-Kulturen-der-Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, Berlin.

Die Internationale Liga der Menschenrechte würdigt damit die Zivilcourage von Mouctar seit der Gründung der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh. Die zweite Ehrung durch die Liga geht in diesem Jahr an den Kapitän des Schiffes “Cap Anamur” Stefan Schmidt, der Flüchtlinge in Seenot rettete, und dafür vor dem Gericht in Sizilien angeklagt, und erst dieses Jahr freigesprochen worden war.
Seit dem qualvollen Feuertod seines Freundes Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle am 7. Januar 2005 hat Mouctar öffentlich für Aufklärung, Entschädigung und Gerechtigkeit gestritten. Er hatte mit der Schwarzen Community in Dessau die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh ins Leben gerufen. Die Initiative wurde dann mit Beteiligung von Flüchtlingen und AntirassistInnen aus anderen Städten stärker und setzte ein Gerichtsverfahren durch, beobachtete dieses kritisch und trug später seit dem Juli 2008, als sich die Prozessführung als Farce zeigte, den Protest auf die Straße. Mouctar hat in dieser ganzen Zeit den politischen Kampf für Gerechtigkeit geführt und zugleich die Angehörigen Oury Jallohs betreut, und ihnen geholfen, so gut er nur konnte. Und er war ständig gegen Alltagsrassismus und repressive Flüchtlingsverwaltung aktiv, war ein solidarischer Begleiter für Flüchtlinge bei täglichen Existenzkämpfen und bei Repressionen durch Behörden.

Von Dessauer Behörden und Polizei bekam Mouctar immerzu neue Schwierigkeiten während seines antirassistischen Engagements. Jahrelang hatte er ein Internetcafé in Dessau geführt – das wurde vom Ordnungsamt dann zum Problem erklärt, und es wurde unterstellt, dass dort gedealt würde. Immer wieder erfolgten Polizeikontrollen in dem Laden, und das Ordnungsamt fand, dass bei Mouctar “unabhängig vom Ergebnis große charakterliche Mängel” vorhanden wären. Zugleich hetzten Nazis gegen ihn und brachten Hakenkreuzschmierereien an dem Laden an. In 2006 wurde Mouctar dann vom Ordnungsamt aufgefordert, seine Gewerbelizenz abzugeben. Die Internationale Liga für die Menschenrechte nimmt auch darauf Bezug und schreibt in ihrer Pressemitteilung zur Auszeichnung:
“Die Zivilcourage, mit der sich Mouctar Bah in Dessau beharrlich für Recht und Gerechtigkeit einsetzt, wird von Teilen der Bevölkerung offenkundig missbilligt und von den staatlichen Behörden alles andere als bestärkt.”
Sogar nach der offiziellen Erklärung von der Auszeichnung ging der Streß für Mouctar weiter. Wenige Tage nach der Pressemitteilung der Liga der Menschenrechte kam die Polizei wieder in das Internetcafé, in dem Mouctar jetzt als Angestellter arbeitet, und zeigte ihm einen Durchsuchungsbefehl. Aber wie schon früher konnte die Polizei nichts finden – weil es eben nichts zu finden gibt, wenn Behörden sich immer neue Gründe für Schikanen ausdenken. Wir protestieren an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich gegen diese offensichtlichen Schikanen und sagen, dass wir Mouctar dagegen weiter zur Seite stehen werden!
Wir danken Mouctar für seine unermüdliche antirassistische Tätigkeit, ohne die die Initiative nie so weit gekommen wäre!

Ab 9:00Uhr, Oury Jalloh Prozess – Kundgebungen am 02. und 05. Dezember 2008 in Dessau

Die Initiative In Gedenken an Oury Jalloh ruft zu einer Demonstration am 8. Dezember in Dessau auf. Ab 9:00Uhr Kundgebung,
11:30 Presse Konferenz und
12:00 Demo,
alles vor dem Landgericht Dessau Willy-Lohmann-Str. 29

OURY JALLOH, DAS WAR MORD

oury-print-finale_2008

A Video Tribute to Oury Jalloh & Call for Demonstration of the upcoming closing of the legal proceedings for the murder of Oury Jalloh.

more about "A Tribute to Oury Jalloh", posted with vodpod

On January 7, 2005, Oury Jalloh and Layé Konde, both of Africa, lost their lives at the hands of the German police. This video tells the story of how Oury Jalloh burned alive while chained at hands and feet to a fireproof mattress in Cell No. 5 of the police station in Dessau, Germany.

Even until today, the authorities have sustained the thesis that Oury Jalloh set himself on fire. Refugee, migrants and anti-racists supporters have fought hard for the last 34 months to see that justice is done. Although successful in forcing a trial, the proceedings have been plagued with racism, cover-up, complacency, bias and impunity. It still remains a mystery just how exactly the fire in Cell No. 5 actually started.

After almost 60 hearings, the trial is now slowly coming to an end, with the verdict expected on December 8th. The only outcome which can be expected is the continued injustice which has characterized both this case as well as the treatment of refugees and migrants in general.

Nevertheless, the struggle continues and, perhaps with your support, we will still see that the truth is made known, that justice is done, and that the family of Oury Jalloh is compensated for having tragically lost the life of their beloved son.

But however the outcome, the struggle itself is already a victory for all of those who have fought and continued to fight it.

BREAK THE SILENCE!

Homepage of the Initiative in Memory of Oury Jalloh:

http://initiativeouryjalloh.wordpress.com/

***

Additional links and participating organizations and networks:

Jalloh Prozess – Plädoyers am 02. und 05. Dezember 2008 in Dessau
Initiative In Gedenken an Oury Jalloh ruft zu einer
Demonstration am 8. Dezember in Dessau auf
Deutsch: http://thevoiceforum.org/node/986
English Text: Oury Jalloh Initiative demonstration in Dessau

http://thevoiceforum.org/node/987

***

Information events on Oury Jalloh Campaign in Potsdam, Halle, Hamburg,
Freiburg,Berlin and Bremem
Information events on Oury Jalloh Campaign – Dessau Prozeß 2008

http://thevoiceforum.org/node/988

THE VOICE Refugee Forum

http://thevoiceforum.org/

CARAVAN for the Rights of Refugees and Migrants

http://thecaravan.org/

Fahrt aus Berlin

Von Berlin aus, treffen sich die leute zur gemeinsamen fahrt mit dem zug nach dessau am Dienstag und Freitag den 2. und 5. Dez. jeweils um 06:30 uhr am reisecenter am alexanderplatz in Berlin. Bitte Kommt zahlreich mit einem oder zwei Bekannten und/oder Freunde mit, dass ist sehr notwendig und wichtig in diesem Moment eure Unterstützung zu spüren.

Die Kundgebungen finden jeweils am Dienstag (2.), Freitag (5.), und Montag (8.) Dezember um 9:00 Uhr vor dem Landgericht Dessau statt. Anschließend wird eine Demo am Montag, den 8. Dezember um 12:00 Uhr geben auch vor dem Landgericht Dessau. Für Reisende aus Berlin die nur zur Demo nach Dessau fahren wollen ist die Abfahrt Treffpunkt am DB Reisezentrum Alexanderplatz Berlin um 08:15 Uhr. Seid punktlich.

Die Urteilsverkündung ist für den 8. Dezember vorgesehen. Die beiden Angeklagten Polizeibeamten Hans-Ulrich M.und Andreas S. werden höchstwahrscheinlich freigesprochen werden. Die Initiative „In Gedenken an Oury Jalloh“ ruft zu einer bundesweiten Demonstration auf und erklärt wiederholt, dass der Prozess eine Farce ist.

Berlin, der 1. Dezember 2008:
Das Landgericht Dessau hat das Ende des Hauptverfahrens im Fall Oury Jalloh auf den 8. Dezember festgelegt; die Plädoyers sollen am 02. und 05. Dezember 2008 gehalten werden. Vor allem in der letzten Phase des Prozesses hat sich herausgestellt, dass die angeklagten Polzeibeamten Hans Ulrich M. und Andreas S. freigesprochen werden sollen..
Aus Sicht der Initiative „In Gedenken an Oury Jalloh“ wird das Gericht mit der Urteilsverkündung die Lüge, die Vertuschung und die Verhinderung von Wahrheit in diesem Mordfall komplett machen. Richter Steinhoff hatte am 18. August wiederholt ausgesprochen, dass Oury Jalloh durch “Murphys Gesetz” ums Leben gekommen sei. An einer Aufklärung der Todesumstände Oury Jallohs ist ihm folglich nicht gelegen, da er durch die Verkettung ungünstiger Umstände gestorben sei. Die Fragen die die Initiative vor vier Jahren dazu gebracht haben, aktiv zu werden und einen Prozess zu fordern, hat Richter Steinhoff nie gestellt:

- Warum wurde Oury Jalloh am 7. Januar 2005 von der Polizei in Dessau festgenommen?
- Wie konnte ein Feuerzeug in seine Zelle gelangen, obwohl er doch zuvor gründlich durchsucht worden ist?
- Wie kann ein an Händen und Füßen gefesselter Mensch eine schwer entflammbare Matratze, auf der er liegt, in Brand setzen?
- Wie kam die Leiche Oury Jallohs zu einem gebrochenem Nasenbein, einer Verletzung, die zuvor niemand festgestellt hatte?

Anstelle seiner Berufung nachzukommen und Unrecht aufzuklären, trug Richter Steinhoff dazu bei, den Mord zu vertuschen.
Die offensichtlichen Widersprüche in dem Fall wie
• das mysteriöse Feuerzeug (welches erst in einem zweiten Asservatenprotokoll auftauchte!)
• die rassistisch begründete Verhaftung (welche im Verfahren keinerlei Rolle mehr spielte!)
• die zahlreichen, entweder nicht sichergestellten, nachträglich veränderten oder `verschwundenen´ Beweismaterialien
• die “unerklärbare” Kontrolle durch “unbekannte” Personen um 11:30 Uhr in der Zelle Oury Jallohs
• die ebenfalls “unbekannte” Stimme, die im Kontrollraum aus der Wechselsprechanlage zum Zeitpunkt des Brandes aus der Zelle Oury Jallohs zu hören gewesen sein soll, werden vom Gericht entweder ignoriert oder vor dem Hintergrund der kollektiv widersprüchlichen Erinnerungslücken der vorgeladenen Polizeibeamten einfach akzeptiert und damit gemeinschaftlich verschleiert.

Stattdessen geht das Gericht bis zum Schluss von der am wenigsten wahrscheinlichen Hypothese aus: Oury Jalloh soll sich selbst angezündet haben. Daher geht es auch NUR der Frage nach, ob den angeklagten Polizeibeamten Körperverletzung mit Todesfolge bzw. fahrlässige Tötung nachgewiesen werden könne. Der Prüfung anderer möglicher Tathergänge hat sich das Gericht konsequent verweigert.

Da das Gericht die tatsächliche Todesursache nicht aufdecken will, handelt es sich um einen Scheinprozess. Wo bleibt die Verurteilung von Rassismus in der deutschen Polizei und struktureller Diskriminierung nicht-weißer Menschen? Am gleichen Tag des Todes Oury Jallohs ist auch in Bremen ein Afrikaner, Laya-Alama Condé, durch Brechmitteleinsatz ums Leben gekommen. Auch in dem Fall gab es bisher weder Aufklärung noch Gerechtigkeit. Die Urteilsverkündung ist auf den 4. Dezember angesetzt; auch hier läuft es auf einen Freispruch des angeklagten Polizeiarztes aus.

„Wir können nicht einfach vergessen; und solange der Fall nicht wirklich aufgeklärt ist, werden wir jedes Mal, wenn wir deutsche Polizisten auf der Straße sehen, uns an den unaufgeklärten Mord an unserem Bruder Oury Jalloh erinnern. Und DAS wird unser Verhältnis zur deutschen Polizei prägen…“, sagt Osaren Igbinoba aus der Initiative „in Gedenken Oury Jalloh“ .

Aus diesem Anlass ruft die „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“ alle auf, mit uns gegen rassistische Polizeigewalt und gegen Scheinprozesse, durch die Morde vertuscht werden, zu demonstrieren. Unterstützt unsere Forderung nach einer unabhängigen Kommission, um die Todesursache Oury Jallohs aufzuklären!

Nach fast 4 Jahren nach Oury Jallohs bestialischem Tod in Zelle Nr. 5 in Dessau und nach 57 Prozesstagen sagen wir weiterhin:

Oury Jalloh – das war Mord!

und fordern:

Break the Silence! Wahrheit! Gerechtigkeit! Entschädigung!

Für mehr Information stehen wir selbstverständlich jederzeit zur Verfügung.
Initiative in Gedenken an Oury Jalloh: Yufanyi Mbolo: +49-(0)170-8788124

Pressemitteilung der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh

Prozess vor Einstellung?
Das Landgericht Dessau hat das Ende des Hauptverfahrens im Fall Oury Jalloh auf den 8. Dezember festgelegt; die Plädoyers sollten am 02. und 05. Dezember 2008 gehalten werden. Die Verhandlung wurde kurzfristig abgesagt und alle Prozessbeteiligten wurden zu einem Gespräch einbestellt, in dem nach einer Zustimmung zur Einstellung des Prozesses gegen eine Geldauflage nachgefragt wurde.
Die Initiative „In Gedenken an Oury Jalloh“ sieht die Ereignisse der letzten Woche bloß als einen neuen, skandalösen Beleg für die Inkompetenz des Gerichts und dessen arrogante, respektlose Haltung gegenüber der Familie des Opfers.

Berlin, 6. Dezember 2008:
«Zur Vorbereitung des Abschlusses des Verfahrens werde mehr Zeit benötigt, als die Kammer und Verfahrensbeteiligten abgesehen haben», hieß es zur Begründung des kurzfristigen Absage. Das Gericht will den Grund, warum die Verhandlung abgesagt wurde, nicht öffentlich erklären. Sogar die AnwältInnen der Familie wurden zum Stillschweigen angehalten. Warum ist es dem Gericht so wichtig, dass nichts nach Außen getragen wird?

Geld als Lockmittel wird aber nicht reichen, um die Familie von der Forderung nach Wahrheit und Gerechtigkeit in dem Mordfall ihres Sohnes abzulenken. Als Herr Jalloh, der Vater des Opfers, gefragt wurde, ob er das Geld annehmen wolle, antwortete er:

„Wenn der Richter mir beweisen wird, dass eine Leiche sich selbst anzünden kann, werde ich sein Angebot annehmen.“

Der Vater und die Initiative sind überzeugt, dass der Tod von Oury Jalloh, ohne eine dritte Hand nicht zu erklären ist. Dazu hat Herr Jalloh auch gesagt, dass von ihm aus der Richter dieses Geld nehmen könne; er will keine blutigen Euros.

Überraschend ist die Verzögerung des Verfahrens nicht. In der Tat steckt der Richter in der Klemme: Angemessen verurteilen will er nicht- und freisprechen kann er auch nicht, ohne dass es großes Aufsehen gibt. Um eine mögliche Revision im Vorfeld zu vermeiden, und um die Akte Oury Jalloh endlich zu schließen, schlägt er nun die Einstellung des Verfahrens vor. Überraschend ist nur die offene Unverschämtheit, der Familie für den Tod ihres Sohnes einen Geldbetrag anzubieten. Ungewiss ist jetzt nur, ob das Urteil- wie geplant am Montag, den 8. Dezember, verkündet wird. Der Richter und AnwältInnen sind möglicherweise der Meinung, dies könnte als Entschädigung EINE unserer Forderungen erfüllen, aber sie irren sich enorm. Denn es ist keine Entschädigung, sondern Schweige-Geld! Und es wird ihnen auch dieses Mal nicht gelingen, uns zum Schweigen zu bringen.

Fast 4 Jahren nach Oury Jallohs bestialischem Tod in Zelle Nr. 5 in Dessau und nach fast 60 Prozesstagen sagen wir weiterhin:

Oury Jalloh – das war Mord!
Und
fordern:
BREAK THE SILENCE!!!
WAHRHEIT! GERECHTIGKEIT! ENTSCHÄDIGUNG!
Wir werden den Kampf nicht aufgeben, bis unsere Forderungen erfüllt sind.
Aus diesem Anlass ruft die „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“ alle auf, mit uns gegen rassistische Polizeigewalt und gegen Scheinprozesse, durch die Morde vertuscht werden, zu demonstrieren. Unterstützt unsere Forderung nach einer unabhängigen Kommission, um die Todesursache Oury Jallohs aufzuklären!

Für mehr Information stehen wir selbstverständlich jederzeit zur Verfügung.
Initiative in Gedenken an Oury Jalloh: Yufanyi Mbolo: +49-(0)170-8788124

http://initiativeouryjalloh.wordpress.com/2008/11/23/a-tribute-to-oury-jalloh/

http://initiativeouryjalloh.wordpress.com/2008/08/30/

http://initiativeouryjalloh.wordpress.com/2008/11/08/scheincharakter-des-prozesses-wird-verdeutlicht-aktueller-stand-oktober-2008/

http://thevoiceforum.org/node/1014

Initiative in Gedenken an Oury Jalloh / c/o ARI / Colbestrasse 19 / 10247 Berlin / Tel: +49 (0)170 8788124

Oury Jalloh is watching - The show trial in Dessau is over

Oury Jalloh is watching - The show trial in Dessau is over

vom 19. Dezember 2008

Das Landgericht Dessau hat am 8. Dezember die beiden angeklagten Polizeibeamten Andreas Schubert und Hans-Ulrich März freigesprochen. Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh kündigt eine UNABHÄNGIGE KOMMISSION an, um die Todesumstände und Vertuschungen im Gerichtsverfahren zu untersuchen Wieder einmal zeigte das rechtsstaatliche System, wie wenig es sich für Aufklärung, Wahrheit und Gerechtigkeit im Fall Oury Jalloh aber auch in anderen Fällen rassistischer Polizeibrutalität einsetzt.
Seit mehreren Monaten erklärte die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh, dass dieser Prozess eine Farce ist, und warnt vor genau solch einem Prozessausgang.

Prozess endet mit Freispruch

Berlin / Dessau, 19. Dezember 2008:
«Die Polizei wird mit der Durchführung des Disziplinarverfahrens weitere Konsequenzen gegen die betroffenen Polizeibeamten ziehen», hieß es von Polizeiseite zum Ende des Prozesses. Dennoch ist klar, dass die Polizei durch offensichtliche Lügen, Falschaussagen und Korpsgeist entscheidend für das Scheitern des Prozesses verantwortlich ist. Dieser Meinung ist sogar Richter Steinhoff. Wie erwartet, kam es im Verfahren Oury Jallohs zu einem Freispruch für die beiden angeklagten Polizisten. Weder die Staatsanwaltschaft noch das Gericht waren in der Lage, einen der beiden Beamten wegen Fahrlässigkeit zu verurteilen. Doch wenn die beteiligten Parteien sich auf die unwahrscheinlichste von allen theoretischen Möglichkeiten beschränken, d.h. Oury Jalloh habe sich selbst angezündet, wenn alles, was nach dem Ausbruch des Feuers passierte, als irrelevant für den Prozess gilt, wenn ein ganzes Revier mauert und lügt, ohne dafür bestraft oder wenigstens im Gericht vereidigt zu werden, kann man nichts anderes erwarten, als das, was Richter Steinhoff sehr treffend ausgedrückt hat: “Dieses Verfahren ist gescheitert.” Sein eigenes Urteil nannte er deswegen, “einfach nur ein Ende, das formal sein muss”. Die Farce liegt aber vor allem darin, dass es von Prozessbeginn an viele Indizien und Beweise, die auf Mord hinwiesen, gab, denen das Gericht jedoch nicht nachgegangen ist. Es ist zwar aufwendig, aber nur einseitig ermittelt worden.

Überraschend ist das Ende des Verfahrens nicht. Die Anklageschrift hat sich schon kurze Zeit nach Prozessbeginn als nicht geeignet erwiesen, um die Todesumstände Oury Jallohs herauszufinden. Spätestens als die in der nachgebauten Zelle mehrmals wiederholten Versuche der Feuerwehrgutachter ergaben, dass ein wie Oury Jalloh gefesselter Mensch sich nicht selber anzünden kann, hätte es Ermittlungen wegen Mord und eine entsprechende Anklage geben müssen.. Aber so steckt Richter Steinhoff in der Klemme. Angemessen verurteilen konnte er am 8. Dezember nicht, und um einen größeren Aufschrei in der Öffentlichkeit zu verhindern, wollte er auch nicht freisprechen. Ein Feuerzeug, das Oury Jalloh bei seiner Festnahme nicht dabei hatte, kann man auch nicht übersehen. Man kann auch keinen Menschen vor dem Feuer retten, wenn man davon ausgeht, dass er bereits durch Misshandlungen gestorben ist. Schließlich wurde bei der zweiten Obduktion festgestellt, dass Oury Jalloh ein gebrochenes Nasenbein hatte. Um eine mögliche Revision im Vorfeld zu vermeiden, und um die Akte Oury Jalloh endlich schließen zu können, schlug das Gericht sogar die Einstellung des Verfahrens vor und scheute sich nicht davor, ein beschämendes Angebot von 5.000 € als Entschädigung für die Familie anzubieten.

“Sie, diese Polizei in ihrer Organisation von oben bis unten ist des Mordes an Oury Jalloh angeklagt. Die im Verfahren gesammelten Indizien fügen sich jenseits einzelner Personen zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammen: Die Polizei zu Dessau ist schuldig.”
(Wolf Dieter Narr, Prozessbeobachter vom Komitee für Grundrechte und Demokratie)

“Genauso die Staatsanwaltschaft und das Gericht Deutschland ist schuldig am Tod von Oury Jalloh und schuldig an allen anderen Fällen, wie diesem, die bis heute nicht aufgeklärt sind.”
(Mouctar Bah, Initiative in Gedenken an Oury Jalloh)

Da das Gericht sich geweigert hat, allseitig und umfassend zu ermitteln, um die Todesumstände Oury Jallohs herauszufinden, arbeitet die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh am Aufbau einer Unabhängigen Kommission. Die entsprechende Petition wird am 7. 01. 2009 um 12 Uhr auf einer Pressekonferenz in Dessau präsentiert.
Menschenrechtsorganisationen, politische Parteien und Gruppen, die nach dem Freispruch der beiden Beamten eine Unabhängige Kommission gefordert haben fordern wir hiermit auf, sich nicht nur dazu zu äußern sondern alles zu unternehmen, dass diese zustande kommt.

Seit fast 4 Jahren organisiert die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh Aktionen in Dessau aber auch in anderen Städten. Seit fast 4 Jahren müssen wir die Anwesenheit der PolizeibeamtInnen, gegen deren Gewalt und gar Mord an unseren Nächsten wir protestieren, in und um unsere Demonstrationen hinnehmen. Jedes Mal mussten wir die Provokation der Polizei ertragen. Am 8. Dezember kam es wiederholt zu Übergriffen seitens der Polizei, bei denen zwei Teilnehmer der Demonstration festgenommen wurden. Zwei Mal versuchte die Polizei grundlos Mb. Y. festzunehmen, um die Demonstrationsleitung und somit den Protest festzusetzen, was jedoch durch die Entschlossenheit der Protestierenden verhindert werden konnte. Daraufhin erhielt er einen Platzverweis. Solche Aktionen und Provokationen seitens der Polizei sehen wir als einen Versuch der Einschüchterung der AktivistInnen, um sie vom Festhalten an ihrem Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit abzubringen. Bis heute hatten diese Versuche keinen Erfolg und werden es auch in Zukunft nicht haben.

Fast 4 Jahre nach Oury Jallohs bestialischem Tod in Zelle Nr. 5 in Dessau und nach einem Scheinprozess sagen wir weiterhin:

Oury Jalloh – das war Mord!

und fordern:

BREAK THE SILENCE!!!

WAHRHEIT! GERECHTIGKEIT! ENTSCHÄDIGUNG!

Wir werden den Kampf nicht aufgeben, bis unsere Forderungen erfüllt sind. Aus diesem Anlass ruft die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh alle auf, mit uns gegen rassistische Polizeigewalt und gegen Scheinprozesse, durch die Morde vertuscht werden, auch am 7. Januar 2009 ab 13 Uhr in Dessau zu demonstrieren.

Für mehr Information stehen wir selbstverständlich jederzeit zur Verfügung.

Initiative in Gedenken an Oury Jalloh / c/o ARI / Colbestrasse 19 / 10247 Berlin / Tel: +49 (0)170 8788124

An die Öffentlichkeit
An die Presse
An die Bürgerinnen und Bürger von Dessau

5. Januar 2009


„Meine Ressentiments aber sind da, damit das Verbrechen moralische Realität werde für den Verbrecher, damit er hineingerissen sei in die Wahrheit seiner Untat.“
Jean Améry, Überlebender des Holocausts

IN GEDENKEN AN OURY JALLOH – FÜR AUFKLÄRUNG UND GERECHTIGKEIT

- Demonstration am vierten Todestag von Oury Jalloh am 7. Januar 2009 in Dessau
- Die Polizei plant offenbar neue Provokationen und Attacken auf die Demonstration
- Aufruf zu Wachsamkeit und Beobachtung
081208hal124

7. Januar 2009 um 12 Uhr : Pressekonferenz der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh.
Ort: Multikulturelles Zentrum Dessau e.V. Parkstr. 7, 06846 Dessau

Am 7. Januar 2009, zum vierten Todestag von Oury Jalloh kommen wir Familienangehörige, Freunde und andere, die das Schweigen der Gesellschaft gegenüber rassistischen Morden und legalem Ausschluss von Menschen nicht dulden, nach Dessau.

Wir kommen nach Dessau um der Opfer der rassistischen Staatsgewalt zu gedenken. Wir kommen nach Dessau um die Gerechtigkeit zu vertreten. Wir kommen nach Dessau um die Wahrheit zu verteidigen. Wir sagen „Es war Mord!“ und kennen die Schuldigen und klagen sie an. Unsere Waffen sind unsere Worte und unsere Präsenz. Unser Ziel ist das Ende von rassistischen Polizeiübergriffen.

Vor vier Jahren, am 07. Januar 2005, wurde Oury Jalloh Opfer eines rassistisch motivierten Verbrechens. Oury Jalloh verbrannte an Händen und Füßen angekettet auf einer feuerfesten Matratze in einer leeren Zelle im Polizeirevier Dessau. Rassistisch motiviert war bereits die Festnahme Oury Jallohs und ebenso seine Misshandlung durch die Polizisten. Rassistisch war das gesamte Vorgehen der Dessauer Polizisten an diesem 07. Januar 2005, das Oury Jalloh das Leben kostete. Rassistisch war der weitere Verlauf: Es gab keine ernsthafte Untersuchung, sondern lediglich die von allen staatlichen und justiziellen Stellen getragene und vorgetragene Lüge zum Schutz der Täter – Oury Jalloh habe sich selbst angezündet. Doch unsere Stimmen, die seiner Angehörigen, seiner FreundInnen und einer internationalen Öffentlichkeit brachen immer das Schweigen und demaskierten die Lügen über das Verbrechen vom 07. Januar 2005.

Oury Jalloh – das war Mord!

Der Staat, der ein ausgefeiltes System der Diskriminierung, Terrorisierung und Diffamierung von Flüchtlingen und MigrantInnen aufgebaut hat, sah sich durch unsere Stimmen gezwungen, der Forderung nach Aufklärung zumindest scheinbar nachzukommen. Nach über zwei Jahren fand eine fast ebenso lang dauernde Prozessinszenierung statt. Metalldetektoren und Passkopien an jedem einzelnen der 60 Prozesstage sollten die Prozessbeobachter einschüchtern. Ein aufwendiges Schauspiel mit bis zu 70 Polizeizeugen, die sich in Widersprüchen und Lügen gegenseitig übertrafen, trotz ständiger Zeugenberatung und psychologischer Unterstützung durch die Justiz und die Polizeiführung. Im Prozessverlauf zeugten verschwundene Beweismittel, „verloren gegangene“ Dokumente und nicht wirklich „funktionierende“ Brandnachstellungsversuche von der Unhaltbarkeit und der Absurdität der Selbsttötungstheorie. Doch der Prozess wurde zu Ende gebracht und die Polizei freigesprochen.

Ein Staat, der Rassismus in Gesetze fasst und Rassismus in der Gesellschaft fördert, schützt staatliche Täter, rassistische Verbrechen und versucht, die Opfer und ihre Stimmen zum Schweigen zu bringen.

Diese Botschaft bekamen wir bereits am Tag der Urteilsverkündung zu spüren. Die Polizei bedrängte die DemonstrationsteilnehmerInnen, provozierte mit dem gesetzwidrigen Filmen der VersammlungsteilnehmerInnen und zwang uns mehrfach, die Demonstration anzuhalten. Trotz unserer Ruhe und Besonnenheit nahmen die Provokationen im Verlauf der Demonstration weiter zu.
Für die Demonstration am Todestag Oury Jallohs plant die Polizei offenbar uns anzugreifen. Eine unüblich lange und teils unsinnige Auflagenverfügung und das Verhalten der Polizei am Tag der Urteilsverkündung leiten uns zu dieser Annahme.

Das Amt für Ordnung und Verkehr der Stadt Dessau-Roßlau schreibt in seiner Auflagenverfügung „Bei Erteilung der Auflagen war zu Ihren Lasten zu berücksichtigen, dass erfahrungsgemäß damit zu rechnen ist, dass gewaltorientierte Personen und Gruppierungen an der von Ihnen angemeldeten Versammlung teilnehmen, auf die Sie nicht einzuwirken in der Lage sind.“

Der Anlass der Demonstration selbst straft dieser Aussage Lügen. Der Gewalt ausübende Staatsapparat in Dessau beschuldigt Menschen, die nach Dessau kommen, um die Gewalt anzuklagen, als gewaltorientiert ohne einen konkreten Anlass benennen zu können. Pauschal werden Menschen, die nach Wahrheit suchen und eine von Gewalt freie Gesellschaft anstreben, als gewaltorientiert kriminalisiert.

Wir bitten die Öffentlichkeit, die Presse und die Bürgerinnen und Bürger von Dessau selbst anwesend zu sein, um als Beobachter zu fungieren, damit keine Gewalt von den Gewalttätigen ausgeht.

Neben anderen Einschüchterungsversuchen in der Auflagenverfügung gibt das Amt für Ordnung und Verkehr der Stadt Dessau-Roßlau folgenden Hinweis: „Vorsorglich weisen wir darauf hin, dass Teilnehmer, die im Besitz einer Aufenthaltsgestattung oder einer Duldung sind, für das Verlassen Ihres Gestattungsbereiches eine ausländerrechtliche Genehmigung benötigen.“

Mit diesem Hinweis ist die Residenzpflicht gemeint. Sie besagt, dass sich die Flüchtlinge nur in dem Landkreis, in dem sich ihre zuständige Ausländerbehörde befindet, aufhalten dürfen. Deshalb wird diese auch als deutsches Apartheidsgesetz bezeichnet. In Europa ist dies einmalig. Zum Verlassen des zugewiesenen Landkreises muss eine Reiseerlaubnis von der Ausländerbehörde beantragt werden, auch wenn es sich nur um 5 Meter handelt. Für die Erteilung der Reiseerlaubnis gibt es keine nachvollziehbaren Regeln, deshalb ist den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der sogenannten Ausländerbehörden, die in der Regel im Ordnungsamt integriert sind, jede Form von Willkür möglich. Unsere Aktionen, unsere Versammlungen und unsere kulturellen Zusammenkünfte sind deshalb immer auch ein Akt des Widerstands gegen die Residenzpflicht. Es gibt nur eine Lösung – die vollständige Abschaffung der Beschneidung der Bewegungsfreiheit.

Insbesondere rufen wir für den 7. Januar 2009 für die Demonstration in Dessau zur verstärkten Aufmerksamkeit und zur sofortigen Unterstützung und falls nötig zur sofortigen Intervention auf.

Wir rufen alle Flüchtlings- und MigrantInnenselbstorganisationen, anti-rassitischen Gruppen und Menschenrechtsorganisationen dazu auf nach Dessau zu kommen und ihre Solidarität zu demonstrieren. Am vierten Todestag von Oury Jalloh demonstrieren wir auch für die anderen Opfer staatlicher Polizeigewalt. Wir gedenken Laye Kondé und Dominique Koumadio. Beide starben bei Übergriffen der Polizei oder durch ihre Folgen. Nach ihrem Tode machten wir dieselben Erfahrungen: bewusst fahrlässige Untersuchungen, Einschüchterung der Familie und Angehörigen, Freispruch für die Angeklagten und Vertuschung der Wahrheit und Ausblendung der Ursachen.

Für den Aufbau einer unabhängigen Kommission zur Untersuchung der Todesursachen von Oury Jalloh und der Vertuschung der Wahrheit bitten wir um Eure / Ihre Unterstützung.

Kontakt:

KARAWANE für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen, Internet: http://thecaravan.org
Büro Wuppertal, Araz Barani, Tel. 01602742424, E-Mail: wuppkarawane@yahoo.de
Büro Hamburg, Fody Turay, Tel. 0152057 658 64, E-Mail: free2move@nadir.org

THE VOICE Refugee Forum, Internet: http://thevoiceforum.org
Büro Jena, Osaren Igbinoba, Tel. 017624568988, E-Mail: thevoiceforum@emdash.org

An die Presse
An die Öffentlichkeit

Berlin/Dessau, den 10. März 2009

- Ziele der unabhängigen internationalen Kommission Oury Jalloh
- Zusammensetzung der Kommission
- die weiteren Schritte

Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh organisierte in Hannover am 6. und 7. März 2009 zwei Vorbereitungstreffen für den Aufbau einer “unabhängigen internationalen Kommission Oury Jalloh“.

Die Kommission setzt sich zum Ziel, die wahre Geschichte von Oury Jallohs Leben in den Flüchtlingslagern von Sachsen-Anhalt, die Umstände um seinen Tod, sowie die Vertuschung und Verschleierung bei den Ermittlungen seitens staatlicher Behörden aufzuklären und offen zu legen. Selbst Richter Steinhoff sprach bei der Urteilsverkündung am 8. 12. 08 davon, dass man “nicht die Chance auf ein rechtstaatliches Verfahren, auf die Aufklärung des Sachverhalts“ hatte. Dieses ist jedoch nur ein Resultat auffallend einseitiger Ermittlungen. Von Anfang an gingen die ermittelnden Behörden von der am wenigsten wahrscheinlichen Hypothese aus, nämlich dass Oury Jalloh sich selbst umgebracht haben soll.

Sinn und Ziel dieser „ unabhängigen internationalen Kommission Oury Jalloh“ soll es sein, die eklatanten Widersprüche schonungslos zu untersuchen, und Antworten auf die elementaren, offen gebliebenen Fragen zu finden.

Diese Kommission wird sich aus forensischen ExpertInnen zusammensetzen, aber auch aus JuristInnen, MedizinerInnen, SoziologInnen, etc. . An ihr werden ebenfalls VertreterInnen einiger Nichtregierungsorganisationen teilnehmen sowie Familienmitglieder der Opfer von Polizeibrutalität bzw. -mord.

Motivation für die aktive Teilnahme an der „ unabhängigen internationalen Kommission Oury Jalloh“ ist die tiefe Besorgnis um den staatlichen Willen, Unrecht an Menschen vom Rand der Gesellschaft aufzuklären und die Verantwortlichen zu stellen.

Als ersten Schritt hat die Arbeitsgruppe für den Aufbau der “unabhängigen internationalen Kommission Oury Jalloh“ mit der Erstellung einer Dokumentation begonnen, die in Kürze erscheinen wird. Weiterhin werden JuristInnen die Urteilsbegründung, die in diesem Monat veröffentlicht wird, analysieren und im Namen der Kommission eine Stellungnahme zum Gerichtsverfahren geben. Die Arbeitsgruppe wird in den kommenden Monaten den Aufbau der unabhängigen internationalen Kommission forcieren, interessierte und kritische Menschen und Organisationen ansprechen und sie ermutigen, an der Arbeit der Kommission mitzuwirken.

Anfang Mai wird die Arbeitsgruppe in einem ersten größeren Treffen ihre Arbeit präsentieren und die konkrete Umsetzung mit der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh planen.

Für Rückfragen und weitere Informationen stehen wir gerne bereit.

Mit freundlichen Grüßen

Initiative in Gedenken an Oury Jalloh
Yufanyi Mbolo: +49-(0)170-8788124

BREAK THE SILENCE!

An die Presse
An die Öffentlichkeit
Pressemitteilung: Berlin, den 17. Mai, 2009

Initiative in Gedenken an Oury Jalloh auf dem Weg zu einer Internationalen Unabhängigen Untersuchungskommission.
- Schriftliches Gerichtsurteil widerspricht der Urteilsverkündung vom Dezember 2008 und bestätigt wiederholt die Notwendigkeit der Untersuchungskomission.

- Das zweite Vorbereitungstreffen für den Aufbau einer „unabhängigen internationalen Kommission Oury Jalloh“ wurde in Hannover am 9. Mai 2009 von der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh organisiert.

Justice First

Seit März diesen Jahres liegt das Gerichtsurteil in Schriftform vor. Dabei zeigte sich nicht zum ersten Mal, dass auch der Richter Steinhoff ein Teil der politischen Farce ist und die Öffentlichkeit bewusst hintergangen hat. Hatte der Richter Steinhoff noch im Dezember mündlich vor den Kameras geäußert, er bedauere, dass eine Aufklärung durch das mauernde Verhalten der Polizeibeamten verhindert worden wäre, so war davon im schriftlichen Urteil nichts mehr zu lesen. Das Dokument lässt über Vertuschungen, das Mauern der Polizeizeugen, und offene und zweifelhaften Fakten nichts mehr verlauten. Demnach erscheinen alle Polizeizeugen, mit Ausnahme der Beamtin Beate H., als “glaubhaft”. Zudem werden alle Handlungen der Polizeizeugen zu nachvollziehbaren und gewissenhaften Handlungen zurecht gerückt. Jedoch bleiben auch in dem schriftlichen Urteil alle schreienden Widersprüche bestehen, die wir erneut anprangern. Auch das schriftliche Urteil fordert nochmals unseren schärfsten Protest. In einer Analyse des Grundrechtskomitees wird festgestellt: “Aus der Fülle der Fahrlässigkeiten, so dieser Ausdruck angemessen ist, erwächst ein System, das tödliche Resultate erzeugt.” Es ist endgültlig deutlich geworden, dass diesem System die Wahrheit über Oury Jallohs Tod nicht zu entlocken ist. Der einzige Weg, der dies leisten kann, ist eine international unabhängige Untersuchungskommission.

Die Kommission wird sich zum Ziel setzten, die wahre Geschichte von Oury Jallohs Leben in den Flüchtlingslagern von Sachsen-Anhalt, die Umstände um seinen Tod, sowie die Vertuschung und Verschleierung bei den Ermittlungen seitens staatlicher Behörden aufzuklären und offen zu legen. . Damit könnte ein Präzedenzfall geschaffen werden für andere Fälle von tödlicher Polizeigewalt gegen Menschen nichtdeutscher Herkunft, die bis heute ungeklärt sind.

Als Teil der Vorbereitungsarbeit einer unabhängigen internationalen Untersuchungskommission wurde zunächst in Deutschland in drei Richtungen intensiv gearbeitet. Die Vorbereitungen der Aufbaugruppe haben begonnen. Familieienangehörige und Betroffene von Polizeibrutalität wurden zu ihrem Interesse an einer Teilnahme an einer unabhängigen Untersuchungskommission befragt. Schließlich wurde die juristische Analyse des Gerichtsurteils von unterstützenden Organisationen und individuellen JuristInnen abgeschlossen.

Die unabhängige Kommission soll aus drei „Säulen“ bestehen:

 ExpertInnen und Fachleute,
 Menschenrechts-AktivistInnen
 Betroffene von rassistischer Polizeigewalt und ihre Familien

Die Aufbaugruppe der unabhängigen Kommission wird sich um diese Zusammensetzung bemühen.

Mit dem angehängten Dokument laden wir alle, die mit uns für eine unabhängige Untersuchung des Falls Oury Jalloh arbeiten wollen, ihre Stimme zu erheben und die Farce des Gerichtsprozesses und des so genannten ‘Justizsystems’ bloß zu stellen. Denn wie der Jurist Erich Buchholz festgestellt hat: Eine “wie auch immer denkbare Selbsttötung [ist] ausgeschlossen “.

4 Jahren nach Oury Jallohs bestialischem Tod in Zelle Nr. 5 in Dessau sagen wir weiterhin:

Oury Jalloh – das war Mord!

und fordern:

Wahrheit! Gerechtigkeit! Entschädigung!

Für Rückfragen und weitere Informationen stehen wir gerne bereit.
Initiative in Gedenken an Oury Jalloh
Haus Bethanien – Südflügel
Mariannenplatz 2
10997 Berlin
Yufanyi Mbolo: +49-(0)170-8788124

http://initiativeouryjalloh.wordpress.com

Öffentliche Einladung

Oury Jalloh, gefesselt an Haenden und Fuessen,
verbrannte am 7. Januar 2005 lebendig in der Zelle Nr. 5 der Polizeistation Dessau

Anfrage: Einberufung einer unabhängigen Kommission, um die Todesursache Oury Jallohs zu klären

Antragsteller: INITIATIVE IN GEDENKEN AN OURY JALLOH und Betroffene African / Black Communities in Deutschland

Beschreibung:

Oury Jalloh wurde am Morgen des 7. Januar von der Dessauer Polizei aufgegriffen und wurde in der Zelle Nr. 5 an Händen und Füßen gefesselt, an Wand und Boden gekettet und dadurch gezwungen, auf einer feuerfesten Matratze zu liegen, auf der er kurz nach Mittag lebendig verbrannte. Oury Jalloh war ein Afrikaner , der vor den endlosen Kriegen in seinem Kontinent geflohen war: Zuerst aus seiner Heimat Guinea nach Sierra Leone, von wo er später nach Deutschland flüchtete, um sich zu retten.

Nach seinem Tod haben die Behörden in Dessau Vorkehrungen getroffen, um den verbrannten Körper zurück nach Guinea zu transportieren , ohne jedoch die afrikanischen Communities davon in Kenntnis zu setzen. Die Black Community in Dessau war empört und hat umgehend einen vehementen Protest begonnen. Sie forderte unter anderem eine Untersuchung der Todesumstände Oury Jallohs, bevor die Leiche nach Afrika gebracht werden sollte.

Die Verletzungen am Körper wie z.B. die gebrochene Nase und das verletzte Trommelfell wurden erst bei der zweiten Obduktion entdeckt, die im Gegensatz zur ersten nun unabhängig von den deutschen Behörden durchgeführt wurde. Auch wurden Spuren des Feuerzeugs, das angeblich die Ursache für das Feuer war, erst bei einer zweiten Untersuchung in der Zelle Nr. 5 in den Brandresten gefunden. Das Feuerzeug sorgt bis heute für kontroverse Auseinandersetzungen. Obwohl dieses Feuerzeug zum Symbol für den Tod Oury Jallohs und für die ungeklärten Fragen geworden ist, hat das Gericht keine Anstrengungen unternommen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Der Gerichtsprozess

Das Landgericht in Dessau schloss die Akte unter dem Vorwand unzureichender Beweise und lehnte ein Gerichtsverfahren ab. Starkes Durchhaltevermögen und Widerstand der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh, der African/black Communities sowie vieler verschiedener Menschen, die in diesem Fall großes Unrecht sahen, zwangen das Gericht in Dessau jedoch, den Prozess am 27. März 2007 zu eröffnen.

Seitdem war das Landgericht Dessau dazu gezwungen, auf die Widersprüche der Polizeibeamten und das Verschwinden entscheidender Beweise für den Prozess einzugehen. Eine der wichtigsten Zeugen, die Beamtin H., die in der gleichen Polizeiwache anwesend war und mit dem Hauptangeklagten S. Dienst hatte, bestätigte, dass sie Geräusche, die aus dem Keller kamen, gehört habe sowie Bewegungen von Menschen vor der Zelle Nr. 5 um 11:30 Uhr aus der Sprechanlage vernommen und auf der entsprechenden Kamera gesehen habe. Oury Jalloh verbrannte einige Minuten nach 12 Uhr.

Beamtin H. sagte weiter aus, dass der Alarm zwei Mal ausgeloest worden sei, und dass sie Oury Jalloh leise um Hilfe rufen(„Feuer! Feuer!“) gehört habe. S., der Hauptangeklagte, habe den Alarm ausgemacht und sich beschwert, er sei zu laut und störe sein Telefongespräch. M., der zweite Angeklagte, bestätigte im Prozess, dass sie Oury Jalloh rücksichtslos behandelten , ihn mit Handschellen befestigten und ihn alleine im Keller gelassen haben. Die Polizeibeamten haben vorherige Aussagen im öffentlichen Verfahren dementiert und geändert. Alles, was der ehrenwerte Richter Steinhoff dazu sagte, war eine rassistische Bemerkung, dass dies keine ‚Bananenrepublik’ sei, womit er Wut anstelle von Gerechtigkeit über die Widersprüche der Beamten zeigte. Auch wenn er damit auf “Murphys Gesetz” anspielte, (dass wenn etwas schief gehe, alles schief gehe, auf die schlimmstmögliche Weise und zur ungünstigsten Zeit), war ihm durchaus bewusst, mit dieser Bemerkungen die Afrikaner zu beleidigen, was dem Gespott der Polizeibeamten in diesem suspektem Mordfall weiter Vorschub leistete.

Von April bis Juli 2008 wurde ein drittes und viertes Brandgutachten unter ähnlichen Bedingungen wie in Zelle Nr. 5 durchgeführt. Beim dritten Versuch wurde die Matratze mit einem Gasanzünder (und kein Feuerzeug) entzündet, brannte jedoch nicht. Anstelle dessen faltete sich die Matratze nach unten und das Feuer ging ohne fremdes Zutun aus. Die Feuertechniker mussten die Matratze nochmals anzünden. Das Gericht ist aber nie konsequent gewesen, um diesen Indizien und Beweisen nachzugehen und sie zu klären.

Am 8. Dezember 2008 hat Richter Manfried Steinhoff die beide Angeklagten freigesprochen. Für ihn war der Freispruch nur eine Art Notlösung: “Wir hatten nicht die Chance auf ein rechtsstaatliches Verfahren, auf die Aufklärung des Sachverhalts”, sagte er in seiner Urteilsverkündung am Landgericht Dessau. “Das Verfahren ist gescheitert.” Steinhoff warf der Dessauer Polizei “Schlamperei” vor, “erschreckend” seien die “Falschaussagen der Beamten”, die “dem Land Sachsen-Anhalt schaden” und die dort “nichts mehr zu suchen” hätten. Dagegen hatte er während des gesamten Prozesses nichts unternommen.

PETITION:

Basierend auf den Unregelmäßigkeiten, die diesen Prozess kennzeichnen und dem Entschluss des Gerichts, Oury Jalloh als einen Kriminellen darzustellen und sein Verhalten in den Mittelpunkt zu stellen anstelle sich auf die illegale Haft und die Ursache seines Todes zu konzentrieren, ist die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh und die African / Black Community fest davon überzeugt, dass es informelle Absprachen unter den Polizeibeamten in Dessau und dem Gericht gab. Damit sollten die eigentlichen Vorgänge am Morgen des 7. Januar 2005 vertuscht werden, welche eingebettet in das institutionelle System von Rassismus und Diskriminierung in Deutschland sind.

Wir kritisieren die Ereignisse im Prozess scharf und stimmen mit diesen nicht überein:

1) Die nahezu kollektive Weigerung der beteiligten Polizeibeamten, auf entscheidende, vom Gericht an sie gerichtete Fragen zu antworten- immer mit der Antwort, sie könnten sich an nichts mehr erinnern- verhinderte jegliche Wahrheitsfindung. Erschwert wird diese noch durch unzählige offensichtliche Falschaussagen, die bis jetzt ausnahmslos ungestraft blieben.

2) Durch das unrechtmäßige Klüngeln der Polizeibeamten im Prozess in Dessau wird Gerechtigkeit vorsätzlich verhindert, was ein Gericht als geschätzte und kompetente Stelle zur Sicherung und Durchsetzung des Rechts nicht zulassen dürfte.

3) Die durchgeführten Untersuchungen im Prozess und die Führung der Gerichtsverhandlung entsprechen nicht den Methoden einer unabhängigen und demokratischen Institution, die ein rechtstaatlichen Verfahren ermöglicht und den Anspruch erhebt, Morde aufzuklären.. Es ist extrem nachlässig ermittelt worden und wesentliche Fragen über die Todesumstände sind offen geblieben:

i) Erst die zweite- durch die Initiative veranlasste unabhängige Obduktion enthüllte bisher „übersehene“ Beobachtungen.
ii) Erst durch die zweite Suche der Tatortermittlungsgruppe wurden die Spuren des Feuerzeugs entdeckt
iii) Auf dem Videomaterial der Tatortermittlungsgruppe, das mehr als eine Stunde dauern sollte, ist nach 4 ½ Minuten nichts mehr zu sehen.
iv) Bei dem Brandversuch musste die Matratze zwei Mal angezuendet werden, um überhaupt ein Feuer zu erzeugen
v) Die Handschelle, mit der Oury Jallohs rechte Hand an die Wand der Zelle gekettet war, ist verschwunden
vi) Die Todesursachen sind immer noch ungeklärt

4.) Im Lichte all dessen bedauern wir die Entscheidung des Richters sehr, von Beginn bis zum Ende des Gerichtsverfahren (22 Monate und 59 Verhandlungstage) von der am wenigsten wahrscheinlichen Hypothese der Staatsanwaltschaft ausgegangen zu sein, nämlich dass Oury Jalloh sich selbst angezündet habe.

Jedoch nicht allein in diesem Punkt sehen wir die Farce des ganzen Verfahrens. Schon in der Anklage zeigt sich, dass die Behörden von Anfang an auf dem falschen Weg waren. Es wird von Selbstmord ausgegangen, obwohl die Fakten sehr wohl auf Mord hinweisen. Warum scheut sich das Gericht, wesentliche Fragen, die Licht ins Dunkel bringen würden, zu stellen?
Fragen, wie:
• Wie gelangte ein Feuerzeug in die Zelle, obwohl Oury Jalloh gründlich durchsucht worden ist?
• Warum hatte die Leiche Oury Jallohs ein gebrochenes Nasenbein, eine Verletzung, die zuvor niemand festgestellt hatte?
• Wie kann ein an Händen und Füßen gefesselt, schwer berauschter Mensch eine schwer entflammbare Matratze in Brand setzen?
• Wie kann die zweite Handschelle, die als Beweismittel gelten sollte, weggeschmissen werden?
• Wo ist das Video der Tatortermittlergruppe, und wie konnte es einfach verschwinden?

UNSERE FORDERUNGEN

1) Wir fordern daher eine unabhängige Kommission, die die Ursachen für den Tod Oury Jallohs, für seine Haft und für die Kettung seines Körpers am Tag des 7. Januar 2005 wie auch das Gerichtsverfahren unabhängig untersucht. Damit könnte ein Präzedenzfall geschaffen werden für andere Fälle von tödlicher Polizeigewalt gegen Menschen nichtdeutscher Herkunft, die bis heute ungeklärt sind.

2) Das Verhalten des Dessauer Landgerichts zeigt klarer als je zuvor, dass die deutschen Behörden nicht voneinander unabhängig agieren können oder wollen. Der Korpsgeist innerhalb der Polizei und den anhängenden Institutionen ist größer als die eigentliche Legitimation der Polizei, einen Mord aufzuklären. Deshalb soll die Kommission die Fälle von Misshandlung, Gewaltanwendung und Vertuschung im Fall Oury Jallohs, die durch Polizeibeamten und das Gericht ausgeübt wurden, unabhängig untersuchen.

3.) Die unabhängige Kommission soll die Verfolgung der AktivistInnen und derer, die sich im Kampf für Wahrheit und Gerechtigkeit engagiert haben, untersuchen. Der Fall von Mouctar Bah, der die Initiative “Oury Jalloh” gegründet hat und ein Opfer von Rufmord und Schikane geworden ist und kriminalisiert wurde, soll intensiv untersucht werden. Durch offizielle Institutionen und nichtinstitutionelle Stellen, Personen aus dem rechtextremistischen Spektrum und der NPD, wurde Druck auf ihn ausgeuebt, um Wahrheit und Gerechtigkeit zu verhindern.

4.) Deutschland ist ein Unterzeichner der Erklärung der Menschenrechte und einiger anderer Konventionen und gewährt angeblich allen Menschen Schutz. Daher ist Deutschland verantwortlich für die Menschenrechtsverletzungen und die Morde an Flüchtlingen und MigrantInnen innerhalb seiner Grenzen. Die UN-Menschenrechts-Komission hat Deutschland im Januar 2009 erneut u.a. wegen rassistischer Gewalt gerügt. Regierungsvertreter weisen dies zurück. Wir arbeiten für weitere, schärfere Verurteilungen Deutschlands durch die
Menschenrechtskommission und andere internationale Organe vor allem wegen
der Ermordung Oury Jallohs sowie weitere rassistischer Morde. Deutschland muss sich im internationalen Gericht für die kriminellen Vorsätze seiner Polizeibeamten verantwortlich zeigen, im anderen Fall gehört die Missachtung der internationalen menschenrechtlichen Vereinbarung Deutschlands zivilgesellschaftlich angeprangert zu werden.

5.) Die Initiative ist der Ansicht, dass demokratischen Gesellschaften und Menschenrechtsorganisationen solchen rassistische Verbrechen wie im Falle Oury Jalloh keinen Raum geben dürfen

6.) Dieser Befund der unabhängigen Kommission soll an alle Menschenrechtsorganisationen und Institutionen in Deutschland und weltweit eingereicht werden, um gegen die Menschenrechtsverletzungen gegen MigrantInnen in Deutschland einzuschreiten, die bereits zu vielen Todesfällen geführt haben. Die rassistische Kollaboration innerhalb der Exekutive, der Legislative und der Judikative in der Bundesrepublik Deutschland soll untersucht und veröffentlicht werden.

Das ist das Anliegen folgender Unterzeichner.

Demo gegen rassistische Polizeigewalt und für die Unterstützung einer Internationalen Unabhängigen Kommission zur Aufdeckung der rassistischen Mord von Oury Jalloh und staatlicher Gewalt vor dem Innen- und Justizministerium

BREAK THE SILENCE
Donnerstag, den 13. August 2009:

15.00 UHR HAUPTBAHNHOF MAGDEBURG

1295y

Hintergrund:

Am 7. Januar 2005 verbrannte Oury Jalloh, ein Flüchtling aus Sierra Leone, qualvoll in einer Polizeizelle in Dessau, Sachsen- Anhalt. Freunde, Flüchtlingsorganisationen und antirassistische Initiativen forschten nach möglichen Ursachen dieses schrecklichen Todes und stießen auf einen Verdacht: Mord. Seitdem scheinen Indizien, Beweise sowie die staatliche Verschleierung und Vertuschung diesen Verdacht nur noch zu erhärten: Hinweise auf physische Misshandlung durch ein gebrochenes Nasenbein und ein kaputtes Mittelohr; eine nicht entflammbare Matratze, auf der Oury Jalloh gefesselt war, die dennoch in Brand geriet; das mehrfache Ausstellen des Feuermelders durch diensthabende Polizisten; etc. , etc. .
Für die deutschen Behörden gab es erst Anlass zum Handeln, als der Prozess und der Schrei nach Aufklärung nicht nachließen und der Fall Oury Jalloh über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt wurde. Die Behörden sahen sich gezwungen einzulenken und eröffneten nach über zwei Jahren nach dem tödlichen Ereignis einen Gerichtsprozess. Jedoch halten die Behörden an der These des Tathergangs- Oury Jalloh hätte sich selbst angezündet- fest und offenbaren die reaktionäre Sturheit des deutschen Systems. Deutschland zeigt somit sein wahres Gesicht: Vertuschung, Verschleierung und Verhindern von Wahrheit, Deckung rassistischer Mörder in den Reihen der deutschen Polizei, und ein mit der Bezeichnung rechtstaatliches Verfahren ummantelter Scheinprozess. Alles in allem ein Korruptionsballet!
„Aber das ist doch ein Einzelfall.“ oder womöglich ein „ Sachsen- Anhalt- spezifischer Sumpf“ könnte jemand einwenden. Leider sieht die Realität anders aus und die Fälle von Dominique Koumadiou, Laye Conde, Mohammad Selah, Mareame Sarr und vieler anderer, die durch Polizeiwillkür ums Leben gekommen sind, sind nur einzelne Beispiele für die zugespitzte Form, das Ausarten des alltäglichen Rassismus dem Flüchtlinge in Deutschland ausgesetzt sind. Grundlagen für dieses menschenunwürdige und menschenverachtende Leben bieten- angefangen bei der Residenzpflicht, Einkaufsgutscheine, über die Konzentration der Flüchtlinge in Lagern, bis zur lebensbedrohlichen Abschiebung- die „demokratisch“ verfasste Gesetzgebung. Und wie demokratisch und auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet die Legislative und die Exekutive funktioniert, kann man am Beispiel Oury Jalloh sehr deutlich sehen.
Nach schlampiger und verdächtig einseitiger Ermittlung, nach in die Länge gezogener Prozessführung und nach fehlender Bereitschaft bzw. konsequenter Weigerung, nach Wahrheit zu suchen, hat sich bereits vor dem Verhandlungsende abgezeichnet, dass das Gericht nicht dazu beitragen würde aufzuklären und die für den Tod Oury Jallohs Verantwortlichen zu stellen und zur Rechenschaft zu ziehen. Der Freispruch für die zwei angeklagten Polizisten nach 59 Tagen Prozessführung war nur eine logische Konsequenz und nur ein trauriger Höhepunkt der Geschichte um den Fall Oury Jalloh. Die Justiz und die sachsen- anhaltinische Polizei haben für sich somit den Fall zu den Akten gelegt. Sie wollen, dass auch wir unseren Kampf nach Aufklärung und Gerechtigkeit beenden. So wie man ein Buch zu Ende liest, es schließt und ins Regal stellt. Wir waren nicht und wir sind immer noch nicht willens, diesen Zustand der Lüge zu akzeptieren, und uns mit dem Unrecht zu arrangieren.

Um ein erneutes Verfahren, welches eine solche Bezeichnung auch verdient, zu erzwingen, erachten wir es als notwendig, eine unabhängige internationale Kommission zu schaffen, die die Umstände um den Tod von Oury Jalloh sowie die Vertuschung und Verschleierung bei den Ermittlungen seitens staatlicher Behörden aufklärt und offen legt. Diese Kommission soll die eklatanten Widersprüche schonungslos untersuchen und Antworten auf die elementaren, offen gebliebenen Fragen finden. Sie wird sich aus forensischen Experten zusammensetzen, aber auch aus Juristen, Medizinern, Soziologen, etc. An ihr werden ebenfalls Vertreter einiger Nichtregierungsorganisationen teilnehmen sowie Familienmitglieder der Opfer von Polizeibrutalität bzw.-mord . Damit wollen wir einen Präzedenzfall schaffen für weitere Fälle von rassistisch motivierter Polizeigewalt gegen schwarze Menschen, Flüchtlinge und MigrantInnen, die bis heute ungeklärt sind.
Um eben dies zu fordern aber auch darüber hinaus den Staat für seine rassistische Politik anzuklagen, werden wir am Donnerstag, den 13. August 2009 vor dem Innen- und Justizministerium für die Unterstützung einer Internationalen Unabhängigen Kommission, demonstrieren. Wir wollen eine emanzipierte Gesellschaft ohne Rassismus und Vorurteile, ohne staatliche Kriminalisierung, Verfolgung und Ausgrenzung! Wir wollen eine internationale Gesellschaft, die die kulturelle Vielfalt nicht als Gefahr sieht, sondern als Bereicherung! In diesem Sinne: Schließ Dich an und sei Teil der Bewegung gegen rassistische Polizeigewalt!
41/2 Jahre nach Oury Jallohs bestialischem Tod in Zelle Nr. 5 in Dessau sagen wir weiterhin:

Oury Jalloh – das war Mord!
und fordern:
Wahrheit! Gerechtigkeit! Entschädigung!

Für Rückfragen und weitere Informationen stehen wir gerne bereit.
Initiative in Gedenken an Oury Jalloh, Haus Bethanien – Südflügel/ Mariannenplatz 2
10997 Berlin
Tel: +49-(0)170-8788124

http://initiativeouryjalloh.wordpress.com

Spenden sind erwünscht und dringend notwendig! Für diese Spenden stellen wir auf Wunsch Spendenquittungen aus (in Auftrag der Initiative); die Spenden für den Förderverein The VOICE e.V. sind steuerabzugsfähig.

Förderverein The Voice e.V. Göttingen
Konto: 14 00 61
Blz: 260 500 01
Sparkasse Göttingen
STICHWORT: OURY JALLOH

Am 17. Dezember 2009 sollte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe über die Revision gegen den Freispruch der zwei Polizeibeamten entscheiden. Das Urteil wurde auf den
07. Januar vertagt, den fünften Todestag Oury Jallohs. Um uns gemeinsam für Gerechtigkeit im Falle Oury Jallohs und ähnlichen Fällen einzusetzen, rufen wir zur Demonstration in Dessau am 07. 01. 2010 auf. (Abfahrt aus Berlin mit dem Bus ab Alexanderplatz um 10 Uhr.)

Oury Jalloh wurde am Morgen des 7. Januar 2005 von der Dessauer Polizei aufgegriffen, in der Zelle Nr. 5 an Händen und Füßen gefesselt, an Wand und Boden gekettet und dadurch gezwungen, auf einer feuerfesten Matratze zu liegen, auf der er kurz nach Mittag lebendig verbrannte. Die Black Community in Dessau forderte eine Untersuchung der Todesumstände Oury Jallohs: Wie kann es möglich sein, dass sich ein an Händen und Füßen gefesselter Mensch selbst anzündet, obwohl sich die Matratze nicht ohne Hilfsmittel anzünden lässt?

Wir fordern: Aufklärung, Gerechtigkeit und Entschädigung

Obwohl in der zweiten, unabhängig durchgeführten Obduktion – im Gegensatz zur ersten – Verletzungen am Körper, wie z.B. die gebrochene Nase und das verletzte Trommelfell, gefunden wurden, schloss das Landgericht Dessau die Akte, unter dem Vorwand unzureichender Beweise, und lehnte ein Gerichtsverfahren ab. Durch starkes Durchhaltevermögen und Widerstand der „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“, der African/ Black Communities sowie vieler verschiedener Menschen, wurde der Prozess am 27. März 2007 eröffnet, um den Widersprüchen und Ungereimtheiten in diesem Fall zu begegnen. Wie konnten eine Handfessel und ein Video vom Tatort während der Ermittlungen einfach verschwinden?

Oury Jalloh – Das war Mord!

Die zwei Angeklagten Andreas S. und Hans Ulrich M. wurden am 8. Dezember 2008 freigesprochen. Nach dem Prozess betonte Richter Manfred Steinhoff zwar, dass die Dessauer Polizei geschlampt hat und die „Falschaussagen der Beamten (…) dem Land Sachsen-Anhalt schaden“ würden, während des gesamten Prozesses unternahm er dagegen jedoch nichts. Ein Aktivist meint dazu: „Es war das Abscheulichste, was wir hier gesehen hatten. Der Mord an Oury Jalloh zeigte uns, dass unsere Kinder morgen hier nicht mehr sicher sein werden. Er öffnete uns die Augen und machte und die Dringlichkeit unserer Aktivitäten klar.“

Demo in Dessau am 07. 01. 2010
Start: Dessauer Hauptbahnhof 14 Uhr
Abfahrt aus Berlin mit dem Bus ab Alexanderplatz um 10 Uhr
Treffpunkt: Reisezentrum Alexanderplatz im S-Bahnhof
Kontakt: 0174 74 77 656

http://initiativeouryjalloh.wordpress.com

http://thecaravan.org

http://thevoiceforum.org

Am 17. Dezember 2009 sollte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe über die Revision gegen den Freispruch der zwei Polizeibeamten entscheiden. Das Urteil wurde auf den
07. Januar vertagt, den fünften Todestag Oury Jallohs. Um uns gemeinsam für Gerechtigkeit im Falle Oury Jallohs und ähnlichen Fällen einzusetzen, rufen wir zur Demonstration in Dessau am 07. 01. 2010 auf. (Abfahrt aus Berlin mit dem Bus ab Alexanderplatz um 10 Uhr.)

Oury Jalloh wurde am Morgen des 7. Januar 2005 von der Dessauer Polizei aufgegriffen, in der Zelle Nr. 5 an Händen und Füßen gefesselt, an Wand und Boden gekettet und dadurch gezwungen, auf einer feuerfesten Matratze zu liegen, auf der er kurz nach Mittag lebendig verbrannte. Die Black Community in Dessau forderte eine Untersuchung der Todesumstände Oury Jallohs: Wie kann es möglich sein, dass sich ein an Händen und Füßen gefesselter Mensch selbst anzündet, obwohl sich die Matratze nicht ohne Hilfsmittel anzünden lässt?

Wir fordern: Aufklärung, Gerechtigkeit und Entschädigung

Obwohl in der zweiten, unabhängig durchgeführten Obduktion – im Gegensatz zur ersten – Verletzungen am Körper, wie z.B. die gebrochene Nase und das verletzte Trommelfell, gefunden wurden, schloss das Landgericht Dessau die Akte, unter dem Vorwand unzureichender Beweise, und lehnte ein Gerichtsverfahren ab. Durch starkes Durchhaltevermögen und Widerstand der „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“, der African/ Black Communities sowie vieler verschiedener Menschen, wurde der Prozess am 27. März 2007 eröffnet, um den Widersprüchen und Ungereimtheiten in diesem Fall zu begegnen. Wie konnten eine Handfessel und ein Video vom Tatort während der Ermittlungen einfach verschwinden?

Oury Jalloh – Das war Mord!

Die zwei Angeklagten Andreas S. und Hans Ulrich M. wurden am 8. Dezember 2008 freigesprochen. Nach dem Prozess betonte Richter Manfred Steinhoff zwar, dass die Dessauer Polizei geschlampt hat und die „Falschaussagen der Beamten (…) dem Land Sachsen-Anhalt schaden“ würden, während des gesamten Prozesses unternahm er dagegen jedoch nichts. Ein Aktivist meint dazu: „Es war das Abscheulichste, was wir hier gesehen hatten. Der Mord an Oury Jalloh zeigte uns, dass unsere Kinder morgen hier nicht mehr sicher sein werden. Er öffnete uns die Augen und machte und die Dringlichkeit unserer Aktivitäten klar.“

Demo in Dessau am 07. 01. 2010
Start: Dessauer Hauptbahnhof 14 Uhr
Abfahrt aus Berlin mit dem Bus ab Alexanderplatz um 10 Uhr
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Pressemitteilung: Demo zum 5. Todestag Oury Jallohs

Am 17. Dezember 2009 sollte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe über die Revision gegen den Freispruch der zwei Polizeibeamten entscheiden. Das Urteil wurde auf den

07. Januar vertagt, den fünften Todestag Oury Jallohs. Um uns gemeinsam für Gerechtigkeit im Falle Oury Jallohs und ähnlichen Fällen einzusetzen, rufen wir zur Demonstration in Dessau am 07. 01. 2010 auf. (Abfahrt aus Berlin mit dem Bus ab Alexanderplatz um 10 Uhr.)

Oury Jalloh wurde am Morgen des 7. Januar 2005 von der Dessauer Polizei aufgegriffen, in der Zelle Nr. 5 an Händen und Füßen gefesselt, an Wand und Boden gekettet und dadurch gezwungen, auf einer feuerfesten Matratze zu liegen, auf der er kurz nach Mittag lebendig verbrannte. Die Black Community in Dessau forderte eine Untersuchung der Todesumstände Oury Jallohs: Wie kann es möglich sein, dass sich ein an Händen und Füßen gefesselter Mensch selbst anzündet, obwohl sich die Matratze nicht ohne Hilfsmittel anzünden lässt?

Wir fordern: Aufklärung, Gerechtigkeit und Entschädigung

Obwohl in der zweiten, unabhängig durchgeführten Obduktion – im Gegensatz zur ersten – Verletzungen am Körper, wie z.B. die gebrochene Nase und das verletzte Trommelfell, gefunden wurden, schloss das Landgericht Dessau die Akte, unter dem Vorwand unzureichender Beweise, und lehnte ein Gerichtsverfahren ab. Durch starkes Durchhaltevermögen und Widerstand der „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“, der African/ Black Communities sowie vieler verschiedener Menschen, wurde der Prozess am 27. März 2007 eröffnet, um den Widersprüchen und Ungereimtheiten in diesem Fall zu begegnen. Wie konnten eine Handfessel und ein Video vom Tatort während der Ermittlungen einfach verschwinden?

Oury Jalloh – Das war Mord!

Die zwei Angeklagten Andreas S. und Hans Ulrich M. wurden am 8. Dezember 2008 freigesprochen. Nach dem Prozess betonte Richter Manfred Steinhoff zwar, dass die Dessauer Polizei geschlampt hat und die „Falschaussagen der Beamten (…) dem Land Sachsen-Anhalt schaden“ würden, während des gesamten Prozesses unternahm er dagegen jedoch nichts. Ein Aktivist meint dazu: „Es war das Abscheulichste, was wir hier gesehen hatten. Der Mord an Oury Jalloh zeigte uns, dass unsere Kinder morgen hier nicht mehr sicher sein werden. Er öffnete uns die Augen und machte und die Dringlichkeit unserer Aktivitäten klar.“

Demo in Dessau am 07. 01. 2010

Start: Dessauer Hauptbahnhof 14 Uhr

Abfahrt aus Berlin mit dem Bus ab Alexanderplatz um 10 Uhr

Treffpunkt: Reisezentrum Alexanderplatz im S-Bahnhof

Kontakt: 0174 74 77 656

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Pressemitteilung: Demo zum 5. Todestag Oury Jallohs

Am 17. Dezember 2009 sollte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe über die Revision gegen den Freispruch der zwei Polizeibeamten entscheiden. Das Urteil wurde auf den

07. Januar vertagt, den fünften Todestag Oury Jallohs. Um uns gemeinsam für Gerechtigkeit im Falle Oury Jallohs und ähnlichen Fällen einzusetzen, rufen wir zur Demonstration in Dessau am 07. 01. 2010 auf. (Abfahrt aus Berlin mit dem Bus ab Alexanderplatz um 10 Uhr.)

Oury Jalloh wurde am Morgen des 7. Januar 2005 von der Dessauer Polizei aufgegriffen, in der Zelle Nr. 5 an Händen und Füßen gefesselt, an Wand und Boden gekettet und dadurch gezwungen, auf einer feuerfesten Matratze zu liegen, auf der er kurz nach Mittag lebendig verbrannte. Die Black Community in Dessau forderte eine Untersuchung der Todesumstände Oury Jallohs: Wie kann es möglich sein, dass sich ein an Händen und Füßen gefesselter Mensch selbst anzündet, obwohl sich die Matratze nicht ohne Hilfsmittel anzünden lässt?

Wir fordern: Aufklärung, Gerechtigkeit und Entschädigung

Obwohl in der zweiten, unabhängig durchgeführten Obduktion – im Gegensatz zur ersten – Verletzungen am Körper, wie z.B. die gebrochene Nase und das verletzte Trommelfell, gefunden wurden, schloss das Landgericht Dessau die Akte, unter dem Vorwand unzureichender Beweise, und lehnte ein Gerichtsverfahren ab. Durch starkes Durchhaltevermögen und Widerstand der „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“, der African/ Black Communities sowie vieler verschiedener Menschen, wurde der Prozess am 27. März 2007 eröffnet, um den Widersprüchen und Ungereimtheiten in diesem Fall zu begegnen. Wie konnten eine Handfessel und ein Video vom Tatort während der Ermittlungen einfach verschwinden?

Oury Jalloh – Das war Mord!

Die zwei Angeklagten Andreas S. und Hans Ulrich M. wurden am 8. Dezember 2008 freigesprochen. Nach dem Prozess betonte Richter Manfred Steinhoff zwar, dass die Dessauer Polizei geschlampt hat und die „Falschaussagen der Beamten (…) dem Land Sachsen-Anhalt schaden“ würden, während des gesamten Prozesses unternahm er dagegen jedoch nichts. Ein Aktivist meint dazu: „Es war das Abscheulichste, was wir hier gesehen hatten. Der Mord an Oury Jalloh zeigte uns, dass unsere Kinder morgen hier nicht mehr sicher sein werden. Er öffnete uns die Augen und machte und die Dringlichkeit unserer Aktivitäten klar.“

Demo in Dessau am 07. 01. 2010

Start: Dessauer Hauptbahnhof 14 Uhr

Abfahrt aus Berlin mit dem Bus ab Alexanderplatz um 10 Uhr

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