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Was soll das? Folgendes Bild stammt aus einem Kalender der Bayerischen Polizeigewerkschaft, der Anfang des Jahres in den Medien auftauchte:

http://i.imgur.com/Ts5rP.jpg

Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V fordert:

Stopp der Polizeibrutalität!
Stopp der Straflosigkeit für Polizist_innen in Deutschland!
Stopp der gezielten Polizeikontrolle von PoCs (Racial Profiling)!
Abschaffung der menschenverachtenden Residenzpflicht!
Aufklärung, Gerechtigkeit, im Fall Oury Jalloh!

Stopp dem Rassismus!
Stopp der Diskriminierung!

Oury Jalloh das war Mord!!!!!!!!!

Neue Prozesstermine

Pressemitteilung der Initiative Oury Jalloh e.V

Berlin, 20.04.2012

Unrechtmäßiges Festhalten durch die Polizei!

Am 18. April 2012 waren wir in Magdeburg um den Prozess im Fall Oury Jalloh zu beobachten.

Bei der Befragung eines Polizisten als Zeugen kam gestern heraus, dass die Dessauer Polizei Leute (Geflüchtete, Migranten…) festnimmt, ohne einen Richter zu informieren.

Das wurde seit Jahren in Dessau so praktiziert.
Man hat am 07. Januar 2005 Oury Jalloh festgenommen und in Gewahrsam gebracht, ohne einen Richter zu informieren.
Dies sind polizeiliche Praktiken, die aus Staaten bekannt sind, die von BRD-Politikern als nicht rechtsstaatlich bezeichnet werden. Ebenso funktioniert es also bei der Polizei in Dessau ( BRD).

Deshalb fordert die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V:

Stopp der Polizeibrutalität!
Stopp der Straflosigkeit für Polizist_innen in Deutschland!
Stopp der gezielten Polizeikontrolle von PoCs (Racial Profiling)!
Abschaffung der menschenverachtenden Residenzpflicht!
Aufklärung, Gerechtigkeit, im Fall Oury Jalloh!

Stopp dem Rassismus!
Stopp der Diskriminierung!

Oury Jalloh das war Mord!!!!!!!!!

Die PM gibt es auch als PDF

Liebe Aktivist_innen,

nachdem wir Euch am 13. Februar zu einer erfolgreichen Faxkampagne für ein unabhängiges Brandgutachten aufgerufen haben, wollen wir diesen Aufruf hiermit erneuern.

Was geschah:

Das Gericht in Magdeburg unter Vorsitz von Claudia Methling wollte Anfang März den Revisionsprozess einstellen. Die Nebenklage, Vertretung der Familieangehörigen Oury Jallohs, stellte daraufhin einen Befangenheitsantrag. Am 14.03.2012 wurde nicht nur dieser Befangenheitsantrag abgelehnt: die 2. Strafkammer erklärte, den bereits Monate zuvor von der Nebenklage vorgeschlagenen Brandexperten Portz zu hören. Am 27. März wurde der Brandexperte befragt, ob er in einem Brandversuch weitere Erkenntnisse über die Brandentstehung und den Brandverlauf in der Zelle Nr. 5 ermitteln könnte. Dieser bejahte bis dahin, dass ermittelt werden könnte, ob Brandbeschleuniger verwendet wurden.
Am 20. April soll nun der Brandexperte nach seiner Akteneinsicht nochmals befragt werden. Das Gericht will dann entscheiden, ob dieses Brandgutachten in Auftrag gegeben wird.

Da ein neues Brandgutachten bis zu einem Jahr dauern könnte und ein Strafverfahren nicht einen Monat ohne Verhandlungstermin sein darf, könnte der Prozess nun platzen. Die Revision muss dann neu aufgerollt werden. Dies ist für die 1. Strafkammer in Magdeburg eine gute Ausrede, um ein weiteres Brandgutachten zu verhindern oder durch „Platzen lassen“ des Prozesses sich der Verantwortung zu entziehen. Das Gericht hat es trotz der eklatanten Mängel des Brandgutachtens aus dem ersten Prozess bisher versäumt, ein weiteres Brandgutachten zu erstellen: Es ist also für diese Situation verantwortlich.

Ihr könnt uns unterstützen, indem ihr die Fax-/Briefvorlage entweder per E-Mail an das Landgericht Magdeburg sendet oder und per Post oder Fax der Richterin Claudia Methling zukommen lasst.

Egal für welchen Weg ihr euch entscheidet, wir hoffen auf eine breite Unterstützung!

Adresse:
An das Landgericht Magdeburg
z.H. Richterin Claudia Methling
Postfach 39 11 22
39135 Magdeburg
Faxnummer
0391/606 20 -69 oder
0391/606 20 -70

Email:
lg-md(at)justiz.sachsen-anhalt.de

DANKE

Fax-/Briefvorlage als PDF.

Brutale Polizeigewalt bei Demo gegen rassistische Polizeigewalt
Mouctar Bah bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert

(Dessau, 7.1.12) Die friedliche Demonstration, die an den siebten Todestag, des in Polizeigewahrsam in Dessau zu Tode verbrannten Afrikaner Oury Jalloh, erinnern sollte, artete in einer unprovozierten Gewaltorgie der Polizei aus. Dabei wurden zahlreiche Demonstranten verletzt. Mouctar Bah, Initiator der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh, wurde mehrmals von der Polizei geschlagen. Zum Ende der Kundgebung wurde er von mehreren Polizisten angegriffen, woraufhin er bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Am Anfang der Demonstration versuchte die Polizei gewaltsam die Verwendung des Begriffs „Oury Jalloh, das war Mord“ zu verbieten. Die Demonstranten weigerten sich und bezogen sich auf ihr Grundrecht der Meinungsfreiheit und entsprechende Gerichtsurteile, was die Polizei nicht akzeptierte. Nachdem ihr Versuch scheiterte, das Transparent gewaltsam zu entfernen, fing die Polizei mit Provokationen und Angriffen an, trotz der friedlich verlaufenden Demonstration. Für die Demonstranten schienen die polizeiliche Provokation und Angriffe ohnehin geplant zu sein. Es wurden gezielt Aktivisten ohne ersichtlichen Grund provoziert und geschlagen. Mouctar Bah und vielen Demonstranten wurde unvermittelt ins Gesicht geschlagen und u.a. an Nasen und Augen verletzt. Bei der Schlusskundgebung wurde Mouctar Bah von mehreren Polizisten zu Boden gerissen und geschlagen, sodass er bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Er ist im Krankenhaus geblieben.

„Egal wie hart uns die Polizei angreift und verletzt, wir werden den Kampf zur Aufklärung des Mordes an Oury Jalloh niemals aufgeben.“

so Komi, ein Aktivist der Oury Jalloh Initiative.

Am 9. Januar 2012 wird der Oury Jalloh-Prozess fortgesetzt,
am 19. Januar 2012 ist die Urteilsverkündung anberaumt.

(Fotos Umbruch Bildarchiv — http://umbruch-bildarchiv.de/)

Kontakt: Komi.E
Handy:017638113135
http:initiativeouryjalloh.wordpress.com

PM der Initiative In Gedenken an Oury jalloh e.V

Anlässlich des 7. Todestages von Oury Jalloh gab es am gestrigen Sonnabend, den 7. Januar 2012, eine Demonstration in Dessau, um dem von der Polizei ermordeten Oury Jalloh zu gedenken. Dabei gab es vielfache, von der Polizei strategisch im Voraus geplante Übergriffe auf Aktivist_innen der Initiative und Unterstützer_innen. Mehrere Aktivist_innen wurden schwer verletzt.

Bereits in den Vormittagsstunden des 7. Januars legt sich ein Dunstschleier des Hohnes über den Ort, an dem Oury Jalloh vor sieben Jahren umgebracht wurde. Die Stadt Dessau-Roßlau, die Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt, die Kreisoberpfarrerin sowie mehrere Vereine riefen zu einer kleinen Mahnwache auf den Treppen des Polizeireviers auf. Anwesend waren auch der Polizeipräsident, der Obergeneralstaatsanwalt und der Oberbürgermeister der Stadt. Mit ihnen versammelten sich circa 30 weitere Menschen und heuchelten Trauer. Eine Demütigung der langjährigen Arbeit der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V., die nur Spott, Missachtung und Gewalt von Dessau erfährt, weil sie sich für eine gerechte Aufklärung des Mordes einsetzt.

Dass nicht Trauer sondern in Wahrheit Wiederholungsdrang in den Köpfen der Polizist_innen umhergeht, hat sich auf der gestrigen Demonstration der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V. gezeigt, die ab 13 Uhr vom Hauptbahnhof Dessau ausgehend angemeldet war. Der gezielte Angriff der Polizei auf afrikanische Aktivisten der Initiative zeigt offen die Gesinnung der Polizei in Dessau und welches Ziel sie verfolgen: die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V. zum Schweigen zu bringen.

Zwei Tage vor der Demo suchten Polizeibeamt_innen Mouctar Bah in seinem Laden in Dessau auf und verkündeten, die Initiative habe Meinungen wie „Oury Jalloh, das war Mord!“ zu unterlassen und unterstellten einen Straftatbestand. Die Beamt_innen machten Mouctar Bah ebenfalls darauf aufmerksam, dass er als Anmelder der Demonstration verantwortlich dafür sei, was auf der Demonstration passiere. Mouctar Bah weigerte sich, sich dieser Drohung zu beugen.

Noch bevor nun die gestrige Demonstration von den ca. 250 Aktivist_innen offiziell eröffnet wurde, kam es zu Übergriffen Seitens der Polizeibeamt_innen, die Aktivist_innen aus der Menge herausgriffen, Pfefferspray sprühten und mehrere Menschen stark verletzten. Außerdem wurde den Demonstrationsteilnehmer_innen gewaltsam Transparente und Schilder entrissen.

Als die Demonstration schließlich los gehen sollte, haben die Versammlungsbehörde und die Polizei die Aktivist_innen über eine Stunde davon abgehalten ihr Versammlungsrecht wahrzunehmen. Auch wurde versucht das Recht auf freie Meinungsäußerung rechtswidrig zu unterbinden. All dies wurde mit dem angeblichen Straftatbestand begründet, der bei der Äußerung des Slogans „Oury Jalloh, das war Mord!“ vorliege.
Trotz einer Anwaltlichen Stellungnahme, die die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V. vor Ort einreichte und in der die Versammlungsbehörde darauf verwiesen wird, dass die Verwendung des Slogans „Oury Jalloh, das war Mord!“ unter keinem denkbaren Gesichtspunkt eine Straftat darstellt, wich die Versammlungsbehörde nur aus und blieb tatenlos: Obwohl sie die rechtswidrige Störung der Versammlung durch die Polizei hätte verhindern müssen, redete sich die Ordnungsbeamtin damit raus, dass sie nicht in die Maßnahmen der Polizei eingreifen könne, wenn letztere darin einen Straftatbestand sehe. Ein Teufelskreis.
Schließlich verwies die Initiative auf das Urteil vom 31. März 2006, in dem das Oberverwaltungsgericht des Landes Sachsen-Anhalt schon einmal über die Versammlungs-Anordnung „Schriftliche oder mündliche Behauptungen, Oury Jalloh sei ermordet oder vorsätzlich getötet worden, sind verboten.“ entschied und diese Anordnung für rechtswidrig befand. Eine Einsicht oder Entschuldigung für das abermals rechtswidrige Verhalten von Seiten der Versammlungsbehörde und der Polizei ist scheinbar nicht geplant.

Schließlich setzte sich der Demonstrationszug durch und marschierte los. Auf dem Weg zur Alberto Adriano Gedenk-Stehle versuchte ein Polizeibeamter einem afrikanischen Aktivisten die Kamera zu entreißen und hackte ihm in das Schienenbein. Ein anderer Polizist, der daneben stand, grinste nur höhnisch, als ihm vorgeworfen wurde, die Polizei in Sachsen-Anhalt kann ja ruhig jeden verprügeln wie sie will, da hier keine Kennzeichnungspflicht für die Polizeibeamt_innen besteht.

Als die Demo gegen 17 Uhr sich dem Ende neigte und einige Aktivist_innen das Bahnhofsgebäude betraten, hatte sich im Gebäude bereits eine Kette von Polizeibeamt_innen formiert. Mit Schlagstöcken, Fäusten und komplett unverhältnismäßig großen Pfefferspray-Flaschen bewaffnet, kesselte die Polizei gezielt langjährige, afrikanische Aktivisten ein und schlugen sie direkt auf die Köpfe. Mouctar Bah wurde bewusstlos geschlagen und liegt noch heute im Krankenhaus. Ein weiterer Aktivist, Komi E. wurde ebenfalls zu Boden geschlagen und leidet an starken Schmerzen am Kopf sowie an Schwindel und Nasenbluten. Anstatt aber sofort den Krankenwagen zu rufen und sich um die verletzte Person zu kümmern, war das erste wonach die Polizeibeamt_innen den am Boden liegenden Aktivisten fragten: „Wo ist ihr Ausweis?“

Als eine der Aktivist_innen telefonisch den Notarzt rief und einen Krankenwagen zum Bahnhofsgebäude in Dessau bestellte, fragte die Mitarbeiterin der Notrufnummer 112 in einem eindeutig überheblichen Ton: „Die Polizei ist doch vor Ort!?“ Antwort der Aktivistin: „Ja, aber die haben noch keinen Krankenwagen bestellt.“ Mitarbeiterin 112: „Die Polizei hat schon einen bestellt.“

Richtig: Nur einen Krankenwagen. Dieser traf erst circa 10 Minuten nach dem Übergriff ein. Ein zweiter wurde dann schließlich so spät gerufen, dass dieser erst circa 20 Minuten nach dem Übergriff eintraf. Eine solche unterlassene Hilfeleistung ist strafbar und kann zum Tode führen! Darüber hinaus kassierte die Polizei während dem Durcheinander mehrere Personen zur Feststellung der Identitäten ein. Festgenommen wurde letzen Endes keine Person (laut Aussage des Verbindungsbeamten) – doch auch das nicht aus Gutherzigkeit, sondern allein aus strategischen Gründen.

Den lebenden Menschen, den Symbolen, die für den ermordeten Bruder Oury Jalloh kämpfen, wird nicht etwa mit gebührendem Respekt und Zurückhaltung entgegengetreten, sondern mit Schlagstöcken und Fäusten – und das ganz ohne Scham in aller Öffentlichkeit. Der Staat wird’s schon richten. Ganz wie bei Oury.

Die, die noch leben und für Gerechtigkeit und Aufklärung kämpfen, werden genauso behandelt wie Oury Jalloh, als er noch lebte. Sie werden von der Mehrheitsgesellschaft beleidigt, rassistisch diskriminiert, von den Bullen kriminalisiert, verprügelt und ermordet und vom Staat ökonomisch ausgebeutet (im Herkunftsland selbst als auch in Deutschland) und vor den Küsten Europas ersäuft.

Die Liste der von den Händen der Polizei ermordeten Menschen wird von Jahr zu Jahr immer länger. Was kommt noch? Wen bringt ihr als nächstes um?

Diese langjährige, zielgerichtete, psychische Folter afrikanischer Aktivist_innen muss ein Ende haben!

Oury Jalloh, das war Mord!

Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V.

Eine Positionierung der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V. zur aktuellen Plakatkampagne

Aktuell sind in der Stadt Plakate zu sehen, die den Leichnam von Oury Jalloh zeigen. Wir haben lang diskutiert, bevor wir uns zu diesem Schritt entschlossen haben. Ohne das Einverständnis von den Angehörigen Oury Jallohs, die Fotos des Leichnam zu veröffentlichen, wären wir diesen Schritt ebenfalls nicht gegangen.

Die Bilder sind stark und krass – aber genau das ist die Realität. Die Realität eines Mordopfers von Rassismus. Ein Mensch, der von der bundesdeutschen Polizei verbrannt wurde, weil er ein Schwarzer war, weil er ein Asylbewerber war und weil die Polizei und der Staat in Deutschland Rassismus ganz offen betreiben (können), ohne Scham und ohne Scheu, da sie sich untereinander decken.

Wir wissen dass es zahlreiche Menschen unter euch gibt, die sich für andere Menschen einsetzen und im unmittelbaren Umfeld agieren und schon selber viel zu Heftiges durchgemacht haben, da sie selbst von Rassismus betroffen sind. Bei euch möchten wir uns entschuldigen, sollten die aktuellen Plakate euch verletzen. Wir bitten gleichzeitig um euer Verständnis für unsere Entscheidung für diese Plakatkampagne. Doch müssen die Plakate nicht nur verletzend wirken, sondern sie sind auch Zeichen des andauernden Widerstandes und dafür, dass wir noch längst nicht am Ende sind mit unserem Kampf.

Unsere politische Entscheidung begründen wir damit, dass wir nicht umhin kommen die Realität, den Mord an Oury Jalloh, auch visuell erfahrbar zu machen. Dabei handeln wir nicht mit jener Skrupellosigkeit derjenigen, die aus solchen Dingen Kohle scheffeln (wie etwa Werbeagenturen und Zeitungen. Ganz zu schweigen vom Militär, die solche Sachen täglich verursachen.) Wir werben nicht für ein Produkt.

Gerade weil wir nicht skrupellos sind, sondern frustriert durch die öffentliche Ignoranz, zeigen wir Bilder auch für die, die noch immer nicht(s) begriffen haben. Und wir haben es jetzt schon satt von jenen verurteilt zu werden, denen wir einmal eine unangenehme Realitätsabbildung ins Sichtfeld rücken und die sich dadurch gestört fühlen. Bei euch wollen wir uns nicht entschuldigen, sondern hoffen auf das ein oder andere wache Auge und einen klaren Verstand.

Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh kämpft seit dem Tod des Freundes für eine gerechte Aufklärung vor Gericht. Seit sieben Jahren setzt sich die Initiative dafür ein, dass das Gericht die anfänglich erzeugten „Fehler“ im Ermittlungs- und Gerichtsverfahren einsieht und die Mörder verurteilt. Seit sieben Jahren müssen die Freunde von Oury Jalloh und andere, die sich einsetzen, die Lügen, Spitzen sowie subtile und offene Attacken des Gerichts und der Beamten ertragen. Und seit sieben Jahren kämpft die Initiative auch bei den größeren Medien für (wirklich) unterstützende Beiträge, um gegen die Ignoranz von der Mehrheitsgesellschaft anzukämpfen.

Der aktuelle Prozessverlauf jedoch zeigt, dass auch hier das Gericht und die weiße Mehrheitsgesellschaft ihre Augen verschlossen halten und nichts dafür tun, den Mord an Oury Jalloh aufzuklären. Vielmehr wird die Arbeit der Initiative denunziert, Mitglieder werden bei Prozessbesuchen und in ihrem alltäglichen Leben wie Kriminelle behandelt, gejagt, verfolgt und bis zur Bewusstlosigkeit von Polizeibeamt_innen verprügelt.

Kriminelle Einschüchterungsversuche von Seiten der Polizei sind Gang und Gebe. Strategisch geplant, gezielt durchgeführt und immer mit dem Ziel insbesondere afrikanische Aktivist_innen einzuschüchtern, zu provozieren, ihnen auf zu spitzeln, sie von ihrer politischen Arbeit abzuhalten, sie zu bedrohen, bloßzustellen und zu verprügeln. Und sollte es mal zu einer Anklage vor Gericht kommen, so spazieren die Verbrecher_innen und Verbrecher-Anwält_innen fröhlich aus dem Gericht, weil sie sich in Sicherheit wägen, gedeckt von ihren Kolleg_innen, vom Staat und von den Medien – ganz wie im Fall Oury Jalloh!

Es reicht! Der Wahrheit ins Gesicht sehen!

Oury Jalloh, das war Mord!

Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V.

Dieses Bild zeigt den eine Großaufnahme des Oberkörpers und Kopfbereiches des Leichnams von Oury Jalloh

Dieses Bild zeigt den Leichnam Oury Jallohs in Ganzkörper-Aufnahme, wie er an Händen und Füßen gefesselt auf der verkohlten Matratze liegt

Rassistischen Sumpf bei der Dessauer Polizei endlich austrocknen

“Knüppel und Pfefferspray werden nicht verhindern, dass die Freunde des vor sieben Jahren in Polizeigewahrsam verbrannten Oury Jalloh weiterhin die lückenlose Aufklärung seiner Todesnacht und die Bestrafung der verantwortlichen Polizisten fordern”, erklärt die innenpolitische Sprecherin der Partei DIE LINKE. im Bundestag, Ulla Jelpke zum heute vor dem Magdeburger Landgericht beginnenden Prozess gegen einen Polizeibeamten, unter dessen Verantwortung der aus Sierra Leone stammende Asylbewerber Jalloh in einer Polizeizelle starb. Jelpke weiter: “Weil afrikanische Demonstranten die Parole `Oury Jalloh, das war Mord!´ riefen, wurden sie am Samstag in Dessau von der Polizei krankenhausreif geprügelt. Offenbar will die Polizei nicht dulden, dass eine solche – durch die Tatsachen leider nur allzu naheliegende – Meinungsäußerung getan wird. Unter den Opfern befand sich auch Mouctar Bah, der wesentlichen Anteil an der Bewegung für die Aufklärung des Todes von Oury Jalloh hat. Er ist schon in der Vergangenheit mit Maßnahmen der Polizei überzogen worden, die ihn ganz offensichtlich einschüchtern sollten. Die Dessauer Polizei rückt zusammen, wenn es um den Rassismus aus ihren Reihen geht. Dieser Sumpf muss endlich ausgetrocknet werden.”

—-
Ulla Jelpke, MdB
Innenpolitische Sprecherin
Fraktion DIE LINKE.

Platz der Republik 1
11011 Berlin

Tel:(030) 227-71253
Fax:(030) 227-76751
www.ulla-jelpke.de
www.linksfraktion.de

Der Prozess geht weiter

Liebe Aktivist_innen,

In der Verhandlung vom 9. Januar 2011 hat das Gericht folgende weitere Termine im Fall Oury Jalloh über den 19.01.2012 hinaus festgesetzt. Die Nebenklage hat umfangreiche Beweisanträge gestellt. Eine Entscheidung darüber, ob und inwieweit das Gericht den Anträgen nachgeht, wird in an einem der nächsten Sitzungstage verkündet. Zur Zeit prüft das Gericht die Anträge.

Kommende Prozesstermine sind:
Freitag, 13. Januar 2012, 09:30 Uhr
Donnerstag, 19. Januar 2012, 09:30 Uhr
Mittwoch, 25. Januar 2012, 09.30 Uhr
Donnerstag, 16. Februar 2012, 09.30 Uhr
Dienstag, 06. März 2012, 09.30 Uhr
Dienstag, 13. März 2012, 09.30 Uhr

Start vor dem Landgericht Magdeburg jeweils 9:30 Uhr, Halberstädterstr. 8, 39112 Magdeburg, Saal A23
Abfahrt von Berlin: gemeinsamer Treffpunkt 6:30 Uhr vor dem Hotel PARK INN am Taxistand am S-Bhf Alexanderplatz

Oury Jalloh - Das war Mord!

Am heutigen Donnerstag thematisiert der Innenausschuss des Landes Sachsen-Anhalt den gewalttätigen Polizeieinsatz am 7. Januar 2012 in Dessau. Wie schon im Mordfall Oury Jalloh werden auch im Zuge der Aufarbeitung der Demonstration vom 07. Januar 2012 die Beweismittel verschwinden, welche die Brutalität der Polizei belegen würden.

Dem Innenministerium und der Polizeidirektion Dessau darf in Hinblick auf eine ehrliche Aufklärung der Vorfälle am 07. Januar 2012 kein Vertrauen geschenkt werden.

Wir bitten die Landtagsabgeordnet_innen und die Presse die Aussagen der für den Einsatz verantwortlichen Personen kritisch zu betrachten und insbesondere die Funktion des Polizeijustiziars Georg Findeisens im Fall Oury Jalloh genauer zu hinterfragen.

Gesamte Pressemitteilung zum Downloaden: PM_Innenausschuss_LSA2012_01_12

Das brutale Vorgehen der Polizei gegen Aktivist*innen der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh und ihre Unterstützer*innen auf der Gedenkdemonstration am 07.01.2012 in Dessau wurde durch die Versuche der Beamt*innen ausgelöst, Transparente mit dem Spruch “Oury Jalloh – Das war Mord!” zu beschlagnahmen, nachdem diese vom Dezernatsleiter Recht der Dessauer Polizei, Findeisen, diese als strafbar eingeordnet hatte.
Nicht nur diese Kategorisierung ist falsch, auch die Behauptung, der Spruch wäre erstmals seit Jahren wieder aufgetaucht, ist schlichtweg eine Lüge.

Das Umbruch-Bildarchiv hat eine Seite eingerichtet, auf der Aufnahmen der Demonstrationen der letzten Jahre seit 2007 das Gegenteil beweisen (auf der Seite ist auch der entsprechende MZ-Artikel mit den obigen Angaben verlinkt):

http://www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/070112oury_jalloh.html

Link direkt zur Galerie:

http://www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/foto3/100112oury_jalloh/index.htm

Oury Jalloh – es war und bleibt Mord!

Am 18.01. gibts ab 20 Uhr in der Kreutziger Straße 19, U5 Samariterstraße, eine Soli-Vokü für die KuB, wo der Fall Oury Jalloh und insbesondere die Polizeiausschreitungen bei der diesjährigen Gedenkdemo in Dessau thematisiert werden.

Germany’s Stephen Lawrence

By Eddie Bruce-Jones

11 January 2012, 3:00pm

How can lessons from the Lawrence case be applied to that of Oury Jalloh, who was burned to death in a German police cell seven years ago?

Last Tuesday, here in the UK, two men were found guilty of the 1993 murder of Stephen Lawrence. This verdict, eighteen years in the making, gave the nation a chance to reflect on the dramatic changes that have resulted from the multiple investigations around the murder, including the ground-breaking Macpherson report (1999), which brought institutional racism among the police into the national spotlight.

[...]

Just a few days later, on 7 January, activists in Germany were preparing to march on the streets of Dessau to commemorate the most important and controversial death in custody in recent German history. They marched from the central train station to the police station to remember the death of a man from Sierra Leone named Oury Jalloh, and this day was the seventh anniversary of his death.

Read the whole article on http://www.irr.org.uk/2012/january/ha000005.html

Pressemitteilung der Initiative In Gedenken an Oury Jalloh e.V.
Mittwoch, 18. Januar 2012 | Berlin

Brand in Dessauer Polizeirevier – Der Täter steht jetzt schon fest

Die MZ (Mitteldeutsche Zeitung) berichtet davon, dass es am heutigen Mittwoch einen „Brandanschlag auf das Polizeirevier Dessau“ gegeben haben soll. Anscheinend soll auch jemensch an eine Fassade „Oury Jalloh, das war Mord“ geschrieben haben. Der_die Autor_in des Artikels bringt die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh in Zusammenhang mit dem Brand und kriminalisiert damit die Arbeit der Initiative!

Zwar erwähnt der_die (anonyme) Autor_in zunächst, dass „Unbekannte“„den Brandanschlag“ verübt hätten. Nach der kurzen Schilderung der Ereignisse aber werden sogleich die „Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Menschenrechtsaktivisten“ „vor rund zwei Wochen“ angebracht. (Mit „Auseinandersetzungen“ sind recht verharmlosend die Repressions-Maßnahmen der Polizei gegen die Aktivist_innen gemeint: Die Polizei prügelte afrikanische Aktivisten bei der Gedenkfeier zum siebten Todestag an Oury Jalloh, die am 7. Januar 2012 in Dessau stattfand, krankenhausreif.) Auch erwähnt der_die Autor_in, den vermeintlichen Grund der „Auseinandersetzung“ auf der Gedenkfeier: die Beschlagnahmung eines Plakates mit dem Slogan „Oury Jalloh, das war Mord“.

Und eben jener Spruch soll nun in Zusammenhang mit dem Brand an einer Fassade in Dessau zu lesen sein. Wo sich diese Fassade befindet und seit wann dieser Spruch da stehen soll, wird nicht erwähnt, sondern es wird nur auf die Aussagen der Polizei verwiesen.

Die Hervorhebung dessen, dass es „Auseinandersetzungen“ zwischen Polizei und Aktivist_innen gab, die Erwähnung der zeitlichen Nähe als auch der von der Polizei durchgeführten Restriktionen aufgrund des Slogans, sollen den Anschein erwecken, dass die Initiative hier etwas mit den heute geschehenen Ereignissen in Dessau zu tun habe. Mit einer „objektiven“ Berichterstattung hat dies zunächst wenig zu tun. Seltsamerweise bleibt auch der_die Autorin verdeckt, sonst eher unüblich bei der MZ.

Sollten der Brand und der Slogan „Oury Jalloh, das war Mord“ in räumlicher und zeitlicher Nähe entstanden sein, so sieht es für uns eher nach einer gezielt gewollten Kriminalisierung der Initiative und ihrer Mitglieder aus. Motivation hierzu können vielerlei Gruppierungen, Einzelpersonen oder Bürger_innen haben – insbesondere die, die sich in der Regel nicht der Meinung „Oury Jalloh, das war Mord“ anschließen.

Wir, die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh, verurteilen, dass sofort die Initiative mit dem Brand und dem Graffiti in Verbindung gebracht wird. Dies ist eine Kriminalisierung der Aktivist_innen der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh und unserer Arbeit.

Oury Jalloh, das war Mord!

Die PM als PDF: PM_2012_01_18

Barbarei der Polizei

DER BARBARISMUS DER POLIZEI IN DEUTSCHLAND, VERSTOß GEGEN DIE FREIE MEINUNGSÄUßERUNG UND VERSTOß GEGEN DIE VERHÄLTNISMÄßIGKEIT

Anlässlich des 7. Todestages von Oury Jalloh gab es am Sonnabend, den 7. Januar 2012, eine Demonstration in Dessau, um von der Polizei ermordeten Oury Jalloh zu gedenken. Dabei gab es vielfache, von der Polizei strategisch im Voraus geplante Übergriffe auf Aktivist_innen der Initiative Oury Jalloh e.V und Unterstützer_innen. Mehrere Aktivist_innen wurden schwer verletzt.
Den lebenden Menschen, den Symbolen, die für den ermordeten Oury Jalloh kämpfen, wird nicht etwa mit gebührendem Respekt und Zurückhaltung entgegengetreten, sondern mit Schlagstöcken, Fäusten und konplett unverhätnismäßig großen Pfefferspray-Flaschen- und das ganz ohne Scham in der Öffentlichkeit. Der Staat wird es schon richten. Ganz wie bei Oury.

http://www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/070112oury_jalloh.html

Link direkt zur Galerie:

http://www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/foto3/100112oury_jalloh/index.htm

Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V fodert:

Rücktritt des Dessauer Polizeipräsidenten!
Aufklärung der Vorfälle bei der Gedenkveranstaltung am 07 .Januar 2012 in Dessau (Sachsen Anhalt)!
Stopp Polizeibrutalität!
Stopp der Straflosigkeit für Polizist_innen in Deutschland!
Stopp der gezielten Polizeikontrolle von PoCs (Racial Profiling)!
Abschaffung der menschenverachtenden Residenzpflicht!
Aufklärung, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung im Fall Oury Jalloh!
Stopp Rassismus!
Stopp Diskriminierung!

Schlagstöcke, Fäuste, Pfefferspray… werden uns nicht hindern zu sagen: Oury Jalloh das war Mord!!!!

OURY JALLOH DAS WAR MORD!!!!!!! OURY JALLOH DAS WAR MORD!!!!!!! OURY JALLOH DAS WAR MORD!!!!!!!

Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh ruft auf zur Mahnwache und Kundgebung am
Dienstag, 6. März 2012
Dienstag, 13. März 2012

vor dem Landgericht Magdeburg.

Das Feuerzeug, mit dem Jalloh sich selbst angezündet haben soll, wurde nicht bei der ersten Durchsuchung der ausgebrannten Zelle entdeckt, sondern ist erst nachträglich in die Asservatenliste eingetragen worden.
Teile der Videobandaufnahmen, auf dem die Durchsuchung der Zelle nach dem Brand dokumentiert ist, wurden mutwillig geschnitten. Zuerst hatte der filmende Beamte behauptet, dass ein Stromausfall für den Schnitt verantwortlich sei. Dies hat sich während des Prozesses als nicht haltbar erwiesen. Das Band ist nun ebenfalls verschwunden (worden). Auch steht noch die Entscheidung über das von der Nebenklage angeforderte Brandgutachten aus.

Um dem Gericht zu zeigen, dass es sich vor der eigenen Pflicht und der Verantwortung Gerechtigkeit walten zu lassen, nicht drücken kann, rufen wir zu gemeinsamen Mahnwachen und Kundgebungen auf.

Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V.

Oury Jalloh, das war Mord!

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Wir fahren zusammen aus Berlin nach Magdeburg. Treffpunkt ist an beiden
Terminen 6:45 Uhr am Hinterausgang des Hotels PARK INN (Taxistand) am
S-Bahnhof Alexanderplatz
*Spenden sind herzlich willkommen!
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Flyer zum Download, Ausdrucken und Verteilen: Flyer_Mahnwachen_Kundgebungen_2012_03

Liebe Aktivist_innen,

die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V. fordert das Landgericht Magdeburg dazu auf ein neues Brandgutachten zu beauftragen. Die Nebenklagevertretung (Rechtsanwält_innen der Familie von Oury Jalloh) wies das erste Brandgutachten mit Bestimmtheit zurück und bezeichnete die Versuchsdurchführungen als „unsystematisch, vorwissend und in der Methodik wahllos“. Sie beantragte deshalb die Zulassung eines unabhängigen und internationalen Brandgutachters. Die Entscheidung darüber steht noch immer aus.

Ihr könnt uns in unserer Forderung an das Gericht unterstützen, indem ihr entweder den nachfolgenden Text via copy & paste an das Landgericht Magdeburg via Email sendet oder im Anhang die Fax/Briefvorlage ausdruckt (PDF hier) und per Post oder Fax der Richterin, Claudia Methling, zukommen lasst.

Egal für welchen Weg ihr euch entscheidet, wir hoffen auf eine breite Unterstützung!

DANKE!

Adresse:
An das Landgericht Magdeburg
z.H. Richterin Claudia Methling
Postfach 39 11 22
39135 Magdeburg

Faxnummer
0391/606 20 -69 oder
0391/606 20 -70

Email:
poststelle@lg-md.justiz.sachsen-anhalt.de

Textvorschlag für den Email-Versand:

Sehr geehrte Frau Methling,

ich schließe mich der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V. an und fordere eine lückenlose Aufklärung der Todesumstände, an denen Oury Jalloh um sein Leben gekommen ist sowie ein unabhängiges Brandgutachten.

Eine wissenschaftliche Klärung des Brandverlaufs durch ein Gutachten eines Sachverständigen würde klären, welche Ursache, welchen Beginn und welchen Verlauf der Brand in der Gewahrsamszelle genommen hat. Insbesondere die US-amerikanische Forschung im Bereich der Brandforschung ist heutzutage soweit voran geschritten, dass es heißt: Feuer lügt nicht. Forscher_innen können genau rekonstruieren, welche Bedingungen notwendig waren und ob es mehr als nur einen Brandherd bedurfte, um zu dem Brandergebnis zu kommen, wie es bei Oury Jalloh der Fall war, der bei Temperaturen von 800 Grad Celsius verbrannte und dessen Finger an der linken Hand durch die große Hitze amputiert wurden.

Das erste Brandgutachten überzeugte weder das Gericht in Dessau noch den Bundesgerichtshof. Warum wird das gleiche, fehlerhafte Gutachten auch im Revisionsverfahren als Beleg für den unhinterfragt deklarierten „Selbstmord“ herangezogen?

Ich fordere hiermit das Gericht dazu auf, den Beweisantrag der Nebenklagevertretung vom 13. Januar 2012 anzunehmen und einen weiteren, unabhängigen Brandsachverständigen mit der Erstellung eines neuen Gutachtens über Ursache und Verlauf des Brandes, an dem Oury Jalloh am 7. Januar 2005 in der Gewahrsamszelle Nr. 5 in dem Polizeirevier Dessau letztlich starb, zu beauftragen und diesen sodann in der Hauptverhandlung zu hören.

Mit freundlichen Grüßen

XX

Gericht bekennt Farbe

PM der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh

Am 16. Februar waren wir in Magdeburg um den Prozess im Fall Oury Jalloh zu beobachten. Ein trauriger Tag.

Der Tag vor dem Landgericht Magdeburg fing wie seit mehreren Monaten mit einer diskriminierenden Kontrolle der Prozess-Beobachter_innen an. Nur, dass die Sicherheitsmitarbeiter_innen diesmal schusssichere Westen trugen.
Außerdem waren im Gerichtsaal viel zu wenig Stühle. Vom Gericht sind uns 65 Plätze für Prozess-Beobachter_innen zugesichert. Vorhanden waren aber nur 39 Plätze, so dass viele der Aktivist_innen draußen bleiben mussten. Die Anwält_innen der Nebenklage, Gabriele Heinecke und Philipp Napp, beantragten die volle Platzanzahl zu erhalten und die diskriminierende Passkontrolle sowie die übertriebenen Sicherheitsmaßnahmen zu stoppen. Heinecke wies die Richterin darauf hin, dass das Gericht einen Angriff befürchte, wo es keinen Angriff zu befürchten gibt. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung sprachen sich Hand in Hand mit dem Gericht für Sicherheit und Ordnung aus. Schließlich wurden beide Anträge vom Gericht abgelehnt. „Weil die Sicherheitslage es gebietet“, so die Richterin Methling.

Ein weitere Ablehnung war schmerzhaft: Das Gericht lehnte den Antrag der Rechtsanwältin Heinecke auf ein neues Brandgutachten ab. Begründung: „Die Kammer geht beim derzeitigen Stand der Beweisaufnahme davon aus, dass der Brand nicht durch Dritte erfolgte.“ Außerdem sei die Verlässlichkeit eines neuen Brandgutachtens nicht gegeben, da die exakt gleiche Matratzenmarke nicht mehr vorhanden sei, die Luftzirkulation in der Zelle unklar sei und die Bewegungen Oury Jallohs nicht nachvollziehbar. Auch sei nicht rekonstruierbar welche Flüssigkeitslache sich auf dem Boden befunden haben soll.

Aktivist_innen waren geschockt, enttäuscht und wütend von dieser Entscheidung, mit der das Gericht letzten Endes Farbe bekennt. Gerechtigkeit und lückenlose Aufklärung sieht anders aus. Die Kammer will die Wahrheit nicht wissen und stemmt sich mit allen Mitteln gegen die Aufklärung der Todesumstände von Oury Jalloh. Wenn das Gericht an einer Aufklärung interessiert wäre, würde es ein neues Brandgutachten zulassen und nicht von vornherein eine Brandlegung durch Dritte ausschließen. Die Möglichkeit wegen Mord anzuklagen wurde damit abermals von deutscher Justiz zu Nichte gemacht.

Nach dem Prozess entschieden sich die Aktivist_innen zu einer Spontan-Demonstration durch Magdeburg und verkündeten den Slogan: „Oury Jalloh, das war Mord – Brandgutachten jetzt sofort – Claudia Methling, Richterin – Macht sich selbst zur Mörderin“. Am Hasselbachplatz in Magdeburg wurden die Demonstrant_innen verbal angegriffen und die Bürger_innen der Stadt verteidigten ihre „Ruhe und Ordnung“ mit rassistischen Sprüchen.

Die IOJ e.V wird nie aufhören zu sagen „Oury Jalloh, das war Mord“. Wir werden dran bleiben und weiter Aufklärung und Gerechtigkeit auf der Strasse fordern. Wir müssen bereit sein, auf die Strasse zu gehen. Oury Jalloh, Dominique Koumadio, Laye Konde, Christy Schwunddeck – wir werden euch nicht vergessen.

Wir leben noch. Und wir werden für euch Aufklärung und Gerechtigkeit fordern. Oury Jalloh, das war Mord!

Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V.

PM als PDF hier.

Befangen oder nicht. Für die Ini ist die Richterin Claudia Methling schon lange nicht mehr tragbar. Desinteressiert und weit entfernt von den Vorgaben des BGH, möchte sie den Prozess so schnell wie möglich beenden. Ob sie weiter machen darf, wird vermutlich am 13. März vor Gericht bekannt gegeben.

Am Morgen des 6. März stellte Gabriele Heinecke, Anwältin der Familie Oury Jalloh, einen Befangenheitsantrag gegen die vorsitzende Richterin Methling, die beisitzenden Richter_innen Caspari und Meyer sowie gegen die Schöffinnen Tempel und Schubarth.

Das Misstrauen gegenüber dem Gericht basiert auf Beobachtungen im Gerichtssaal als auch auf dienstlichen Äußerungen Methlings, die bis dato der Öffentlichkeit vorenthalten wurden. So begründete Heinecke, dass das Gericht sich von der zentralen Aufgabe verabschiedet habe, den Tod von Oury Jalloh aufzuklären. Damit entferne sich die Kammer den Vorgaben des Bundesgerichtshofes (BGH), der auch das alte Brandgutachten kritisierte und eine Aufklärung der Todesumstände vorderte. Hinter den Kulissen sagte die Richterin Methling, dass für sie ein neues Brandgutachten nicht in Frage käme und begründete dies mit der Angst vor den Tierschützer_innen, wenn für das neue Brandgutachten ein totes Schwein verbrannt werden müsse, um das Verhalten des Feuers nachvollziehen zu können.

Die Entscheidung über den Befangenheitsantrag obligt drei anderen Richter_innen und muss laut Gesetz spätestens zur übernächsten Sitzung erfolgen. Der Prozess wird am 13. und 16. März fortgesetzt. Der Prozesstermin am 7. März fällt aus.

Damit ist auch die Entscheidung darüber vertagt, ob der Prozess eingestellt werden soll oder nicht. Sollten die beauftragten Richter_innen die Kammer für befangen erklären müssen neue Richter_innen gefunden werden. Sollte Methling und Co weiter machen dürfen so ist zu hoffen, dass der Staatsanwalt dem Vorschlag vom Gericht, dass der Prozess gegen Geldstrafe für den Angeklagten Schubert beendet werden soll, nicht nachkommt. Andernfalls würde der Prozess unwiderruflich ad acta gelegt werden.

Vor dem Landgericht fand parallel zur Verhandlung eine Mahnwache statt, die vom Ordnungsamt stark eingeschränkt wurde: Die ca. 50 bis 60 Aktivist_innen durften nicht direkt vor dem Gericht stehen, sondern mussten hinter Absperrungen an der gegenüberliegenden Straßenseite stehen. Wie bei der letzten Mahnwache am 16. Februar wurde mehrmals versucht auch Musik und Redebeiträge einzuschränken. Nach dem Prozess fand eine Spontandemo durch die Magdeburger Innenstadt statt.

Auch beim nächsten Termin am 13. März wird wie am gestrigen Tage eine Mahnwache vor dem Landgericht abgehalten.

Dieser Beitrag ist eine leicht veränderte Version der Pressemitteilung auf Indymedia vom 6. März 2012.

Am Dienstag, 13. März, geht der Prozess weiter vor dem Landgericht Magdeburg, Halberstädter Str. 8, 39112 Magdeburg, 9:30 Uhr; Saal 23A. Wir fahren gemeinsam aus Berlin. Treffpunkt 6:45 Uhr auf dem Taxistand am Hinterausgang des Hotels PARK INN (S-Bhf Alexanderplatz).

Stellungnahme der Liga zu den Angriffen aus dem Innenausschuss des Landtags Sachsen-Anhalt auf Träger der Carl-von-Ossietzky-Medaille 2009 Mouctar Bah

Pressemitteilung 09. März 2012

[...]

Dass nun der Vorsitzende des Innenausschusses des Landtags (SPD)
aufgrund eines Videos der Polizei den exponierten Sprecher der Oury
Jalloh Initiative und Träger der Carl-von-Ossietzky-Medaille 2009,
Mouctar Bah, beschuldigt, auf einen Polizisten eingeschlagen zu haben,
hat, wie auch bei Innenminister Holger Stahlknecht (CDU), den unguten
Beigeschmack der „offensiven Vorwärtsverteidigung“.

[...]

Die vollständige Pressemitteilung findet sich hier als PDF.

Spendenaufruf

Für unsere Arbeit sind wir dringend auf Spenden angewiesen. Ausschließlich über Soli-Partys können wir das Geld nicht auftreiben. Dankenswerterweise unterstützen uns eine Reihe von Stiftungen, dennoch:

* Bitte spendet, damit alles getan wird, um den Tod von Oury Jalloh aufzuklären!

* Bitte spendet, damit wir für eine Entschädigung für die Mutter von Oury Jalloh kämpfen können!

* Bitte spendet, damit endlich etwas getan wird gegen rassistische Polizeigewalt in Deutschland!

BANKVERBINDUNG
Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
Kontonummer: 1233 600
Bankleitzahl: 100 205 00

Bitte gebt Euren Namen und Adresse an, so dass wir Euch eine Spendenquittung zuschicken können. Schickt einfach eine email an initiative-ouryjalloh@so36.net.

Den Flyer gibt es auch zum Ausdrucken und Weiterverteilen: Soliflyer_25-05-2012

Am Freitag, den 18. Mai, fahren wir mit dem Zug zum Prozess nach Magdeburg.
Treffpunkt ist um 06.20 Uhr das Reisezentrum am S + U-Bahnhof Alexanderplatz.
Der Zug fährt um 06.48 Uhr ab, in Magdeburg sind wir um 8.53 Uhr.
Der Prozess selbst fängt diesmal wieder um 09.30 Uhr an.

Nach Prozessende fahren wir gemeinsam mit dem Zug zurück nach Berlin.

Spenden für die Tickets sind willkommen!

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