Pressemitteilung der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V. vom 12.12.2012

Oury Jalloh – Von Polizisten ermordet, vom Staat vertuscht!

Die Aufklärung der Todesursache von Oury Jalloh durch Staatsanwaltschaft und Gericht erneut gezielt verhindert!

Urteilsverkündung am 13. Dezember 2012 um 14.30 Uhr am Magdeburger Landgericht

Als „eine Zumutung“ bezeichnete der Nebenklagevertreter Philipp Napp das Festhalten dervMagdeburger Kammer an der Selbstentzündungshypothese des Staatsanwaltes Christian
Preissner. Nach knapp 2 Jahren will die vorsitzende Richterin Claudia Methling das Revisionsverfahren gegen den Angeklagten, den damaligen Dienstgruppenleiter Andreas Schubert, an höchstbrisanter Stelle einfach abbrechen. Angesichts einer neuen, erdrückenden Beweislast, die deutlich für die Ermordung Oury Jallohs spricht, ist das Vorgehen der Magdeburger Richter ein zweifelloser Beleg dafür, dass in Sachsen – Anhalt eine gerichtliche Aufklärung der Todesursache ganz bewusst nicht gewollt ist. Methling und Preissner
klammern sich an die Anklageschrift und behaupten ernsthaft, dass es nicht mehr möglich wäre, den Grund für den Brandausbruch zu ermitteln.

„Man braucht keine Verschwörungstheorien um festzustellen, dass etwas nicht stimmt“, führte Nebenklagevertreterin Gabriele Heinecke in ihrem Plädoyer aus. Wieso gibt Staatsanwalt Preissner vor, ein Vorprüfungsverfahren eingeleitet zu haben, obwohl er in seinem Plädoyer davon sprach, nach wie vor keine Anhaltspunkte für Mord zu sehen?
Ein komplexes Lügengespinnst wurde um den Tod von Oury Jalloh konstruiert. Als Anwalt des Vaters von Oury Jalloh trägt Philipp Napp in seinem Plädoyer die wichtigsten Fragen
zusammen, die sich in den letzten Monaten prozessual aus der Indizienlage ergeben haben:

- Woher kommt das Feuerzeug? Es ist keine DNA von Oury Jalloh, keine Stoff- und Faserreste seiner Kleidung oder der Matratze, auf der er lag, am Feuerzeugrest nachweisbar!

- Ein Undokumentierter Aufenthalt der Polizisten Hans-Ulrich März und Udo Scheibe in der Zelle 5, in welcher Oury Jalloh von denselben Beamten einige Stunden zuvor an Händen und Füssen gefesselt worden war! Ein Kollege hatte die beiden dort eine halbe Stunde vor Brandausbruch angetroffen. Was haben die beiden bei Oury Jalloh gemacht?

- Warum sind zentrale Beweismittel verschwunden? (verschwunden sind unter anderem: die rechte Handfessel, ein 8 cm langes Stoffstück, dass unter dem Kopf von Oury Jalloh gefunden wurde, das entscheidende Videomaterial der Tatortgruppe, das Fahrtenbuch von März und Scheibe, der entsprechende Journaleintrag wurde auf mysteriöse Weise gelöscht, ein Gesprächsvermerk, in welchem es um das öffentlich bekannte rassistische Vorgehen der Dessauer Polizei ging).

- Wie ist das Auffinden Situation von Oury Jalloh zu erklären? Abgebrannte Matratzenecken, Amputation der Finger der linken Hand, Stoffreste unter Oury Jallohs Hinterkopf, unbekleidete Brust, vorgeführte Hosenreste passen nicht zu den Verbrennungen seines Gesäßes.

- Warum wurde bei einem derart wichtigen Ereignis am Tatort kein Fotoionendetektor eingesetzt?

- Wie ist die Abwesenheit von Noradrenalin erklärbar? Die Kammer geht darüber hinweg, dass Oury Jalloh bewusstlos gewesen sein muss. Noradrenalin entsteht bei
Stress und ist innerhalb von 10 – 30 Sekunden im Urin nachweisbar

- Hat der Andreas Schubert Oury Jalloh am 7. Januar 2005 lebend gesehen? Schubert bestreitet dies, obwohl mehrere Zeugenaussagen davon berichteten, dass der Angeklagte im Gewahrsamsbereich war.

Das Schweigen des Gerichtes hinsichtlich der Beantwortung dieser Fragen und das ignorante und boshafte Verhalten der Richterin sind weitere schwere Demütigungen der Familie und der Freunde von Oury Jalloh, die seit fast 8 Jahren die Aufklärung der Todesursache fordern.

Warum darf dies nach insgesamt 4 Prozessjahren nicht geschehen?

Indem verantwortliche Personen des damaligen Innenministeriums Sachsen – Anhalts die Ermittlungsausrichtung im Fall Oury Jalloh auf die unglaublichste aller möglichen Brandursachen – die Selbstentzündungshypothese – beschränkten, sollte darüber hinweggetäuscht werden, dass in der Polizeidienststelle Dessau Menschen in Gewahrsam umgebracht werden. Dieses Revier war bekannt für seinen „harten Umgang mit Ausländern“, zudem gab es zwei weitere, bis heute ungeklärte Todesfälle: Ein Herr Rose wurde alkoholisiert von der Polizei im Park aufgegriffen und in Gewahrsam verbracht. Am Morgen lag er tot vor einem Hochhaus, zu welchem er keine persönliche Beziehung hatte. Der obdachlose Mario Bichtemann kam in der gleichen Zelle ums Leben, wie Oury Jalloh. Nach mehrstündiger Ingewahrsamnahme wurde er mit einem Schädelbruch aufgefunden. Leitender Dienstgruppenleiter war an diesem Tag ebenfalls Andreas Schubert.

Wenn es nichts zu verbergen gibt, warum lässt sich das Gericht nicht auf Brandversuche mit Brandbeschleunigern ein? Zwei Menschen sterben in ein und derselben Zelle auf ungeklärte Weise und die Justiz in Sachsen – Anhalt verschließt die Augen?

Der Mord an Oury Jalloh soll vertuscht werden, zu groß wären der Skandal und der Imageschaden für Sachsen-Anhalt damals wie heute. Auf Anweisung des Innenministeriums
wurden alle Ermittlungsausrichtungen auf die Selbstentzündungsthese, die unglaublichste aller Erklärungen für den Brandausbruch, beschränkt. Ein rassistischer Mord, begangen durch Dessauer Polizeibeamte, wurde – und wird – durch die höchsten Instanzen Sachsen-Anhalts gedeckt.

Ein ungeheuerlicher Rechtsstaat! Ein rechtsstaatliches Ungeheuer!

Oury Jalloh – Das war Mord!

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Pressemitteilung als PDF: pm_12.Dez.

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