Demonstrationen in Gedenken an Oury Jalloh

Sonntag, 07. Januar 2007
Berlin:13 Uhr Hackescher Markt
Dessau: 13 Uhr Hauptbahnhof

Am 7. Januar 2005 verbrannte Oury Jalloh in einer Polizeizelle in Dessau. Zwei Jahre sind seither vergangen. Zwei Jahre, in denen das Gericht in Dessau einen Prozess gegen die verantwortlichen Polizisten blockiert. Dies zeigt deutlich genug, dass die Hintergründe des Todes nach dem Willen * von Polizei und Justiz nicht zur Sprache kommen sollen.

  • Dominique Kouamadio wurde vor einem halben Jahr in Dortmund von einem Polizisten erschossen.
  • Laye-Alama Condé und John Achidi starben vor zwei Jahren bzw. fünf Jahren bei einem Brechmitteleinsatz
  • Amir Ageeb und Kola Bankole wurden bei ihrer Abschiebung umgebracht.
  • N’deye Mareame Sarr wurde vor vier Jahren im Haus ihres Ex-Mannes von einem Polizisten erschossen.

In allen Fällen wurden die Ermittlungsverfahren eingestellt und jedes Mal wurde niemand für die Verbrechen zur Rechenschaft gezogen. Noch viele dieser Geschichten lassen sich nennen.
Menschen nicht-weisser Hautfarbe und nicht-deutscher Herkunft sind durch deutsche PolizistInnen und VertreterInnen der Institutionen ebenso wie durch RassistInnen auf der Straße täglich mit dem Tode bedroht. Freitag, den 7. Januar 2005. Der 22 jährige Oury Jalloh aus Sierra Leone verbrennt am helllichten Tag um 12 Uhr mittags in einer Polizeizelle. Die Justiz behauptet, dass er sich selbst angezündet hat. Mit einem Feuerzeug, das bei der Kontrolle übersehen worden sein soll. Aber alles spricht dagegen: Oury Jalloh war zu diesem Zeitpunkt an Händen und Füßen gefesselt. Er lag auf einem Betonsockel auf einer schwer entflammbaren Matratze. In einer vom Boden bis zur Decke gekachelten Zelle.

Der wachhabende Polizeibeamte ignoriert den Feueralarm lange Zeit. Oury Jalloh verbrennt. Ein Gutachten bestätigt: Hätte der Polizeibeamte sofort reagiert, hätte Oury Jalloh gerettet werden können. Die Staatsanwaltschaft klagt den Beamten an. Das Gericht sucht seit fast 2 Jahren nach Gründen, den Prozess nicht zu eröffnen. Entgegen einiger Pressemitteilungen ist bis heute nicht entschieden, ob es zum Prozess gegen diesen Beamten kommt. Weitere Untersuchungen sollen jetzt, 2 Jahre später, durchgeführt werden. Gegen einen weiteren Beamten wurde das Verfahren vom Gericht vor kurzem eingestellt.

Es gibt bis heute weder von der Polizei noch von den Behörden irgendeine Entschuldigung. Auch eine Entschädigung für die Familie wurde bisher verweigert. Statt dessen wird ein afrikanischer Freund von Oury, der sich am meisten für die Forderung nach Gerechtigkeit engagiert, harten Repressionen ausgesetzt und nahezu zehn AktivistInnen wurden während der Kampagne gegen den Mord an Oury Jalloh wegen verschiedener „Straftaten“ angezeigt und zum Teil schon verurteilt.

Seit fast zwei Jahren haben sich diverse Flüchtlings-, MigrantInnen- und Antiragruppen zusammengeschlossen, um das Schweigen zu brechen und Aufklärung, Gerechtigkeit und Entschädigung für den Mord an Oury Jalloh zu fordern.
Seit beinahe zwei Jahren besteht die einzige Antwort der deutschen Behörden in Vertuschung und Straflosigkeit für die Täter und Kriminalisierung unseres Protestes.

Wir werden unseren Kampf nicht aufgeben. Keine Repression, Vertuschung oder Straflosigkeit wird uns daran hindern, aufzustehen, unsere Stimme zu erheben und gegen diese systematische Ungerechtigkeit zu kämpfen.
Wenn sie das Recht haben von Selbstmord zu sprechen, obwohl alle Fakten dagegen sprechen, nehmen wir uns das Recht von Mord zu sprechen.

Wir sind alle Oury Jalloh!
MOBILISIERT EUCH!

Am 6. Januar 2007 wird eine Konferenz in der Stadt Dessau stattfinden, um AktivistInnen der Afrikanischen und Schwarzen Community in Deutschland gegen rassistische Polizeigewalt und Kriminalisierung zu versammeln. Die Opfer dieser institutionalisierten Gewalt werden erinnert und geehrt.

Wir rufen alle solidarischen Menschen auf, an der Konferenz am 6. Januar in Dessau und an den Demonstrationen am 7. Januar 2007 in Dessau und Berlin teilzunehmen.
Wir erinnern an diesen Tagen an alle Menschen, die durch Rassismus und Kapitalismus täglich umgebracht werden; innerhalb der EU und an deren Grenzbefestigungen; aber auch derer, die schon seit Jahrhunderten durch Kolonialismus, Waffenlieferungen und Stützung von Diktaturen weltweit systematisch getötet wurden und werden.
Wenn ihr die Veranstaltungen an einer der genannten Orte nicht erreichen könnt, organisiert ein Protestereignis in eurer Stadt!

Das Schweigen brechen!

Stoppt den Polizeiterror gegen Flüchtlinge und MigrantInnen!

Initiative in Gedenken an Oury Jalloh
mail: initiative-ouryjalloh@so36.net
Telefon: 0176 / 25433750

Unterstützt von:

Antirassistische Initiative e.V (ARI)
Flüchtlingsinitiative Brandenburg (FIB),
Für eine linke Strömung (FELS)
Plataforma der Flüchtlinge und MigrantInnen,
The Voice Refugee Forum
Karawane Network Germany

Spendenkonto:

Antirassistische Initiative e.V.
Kontonummer: 3039600
BLZ: 10020500
Bank für Sozialwirtschaft
Stichwort: Dessau

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