Pressemitteilung der Initiative Oury Jalloh e.V und der Initiative Togo Action Plus e.V

Pressemitteilung der Initiative Oury Jalloh e.V und der Initiative Togo Action Plus e.V

Die Asylpolitik in der BRD tötet weiter!

Die vergessenen, isolierten, kriminalisierten, diskriminierten Geflüchteten sterben weiter, obwohl wir die PolitikerInnen informieren !
Der Wille, die Situation für Geflüchtete zu verbessern, ist immer noch nicht vorhanden !
Die Geflüchteten leben immer in Angst! Ihr Alltag ist Rassismus, Einschränkung der Bewegungsfreiheit ( Residenzplicht)
Die Situation sieht so aus: Die Heime stehen Isoliert im Wald, Kakerlaken im Zimmer und im Bett, Ratten im Heim, ohne Heizung !
Die meisten sind depressiv, ohne Hilfe!
Die Initiative Togo Action Plus e. V. unterstüzt die Geflüchteten im Heim Krumpa (Merseburg/ Sachsen Anhalt).
Viele Leute sind dort deprimiert, sie leben lange im Heim ohne Perspertiven, mit einer Duldung, über 10 Jahre ! Und krank!
Am Freitag, den 12. Oktober 2012 ist ein Geflüchteter aus Sierra -Leone in Halle/ Saale im Zimmer tot aufgefunden worden !
Sein Wohnsitz war das Lager Krumpa. Er war über 10 Jahre mit eine Duldung ! Die Todesursache ist unklar !

Die Ausländerbehörde und das Sozialamt sind die strengsten in Sachsen/ Anhalt !
Die Geflüchteten haben kaum Chancen, eine Wohnung in Merseburg zu bekommen. Alles kostet Nerven für die Geflüchteten !
Der Innenminister, Herr Holger Stahlknecht, von Sachsen Anhalt ist gefordet, die Situation von Gefüchteten in Sachsen Anhalt zu verbessern – dezentrale Wohnungen für alle, nicht isoliert von der Bevölkerung !
Recht auf Aufenthalt !
Wie lange wollen sie noch warten, damit die Gefüchteten in Sachsen Anhalt nicht mehr sterben?
Die Situation im Heim/ Lager ist furchtbar !
Wir bitten Hernn Holger Stahlknecht von Sachen Anhalt den Artikel von Susan Bonath „Das Schlimmste ist das Rumsitzen“ zu lesen und auf die Mißstände zu reagieren.

29.09.2012 / Wochenendbeilage / Seite 4 (Beilage)Inhalt

»Das Schlimmste ist das Rumsitzen«

Kakerlaken, kaltes Wasser, kaputte Fenster. Miserable Zustände im Asylbewerberheim Krumpa bei Halle

Von Susan Bonath

»Wo wollen Sie hin?« ruft eine Frau mit barschem Ton und schaut aus ihrem Pförtnerbüro. »Mein Besuch«, antwortet der 22jährige Tomi leise. Und entschuldigt sich später: »Sie sprechen hier immer so mit uns.« Doch beschweren kann er sich nicht. In seinem Heimatland Mali wird Tomi politisch verfolgt, »wie alle, die gegen Polizeigewalt und Diktatur protestieren«. In Deutschland ist er seit zwei Jahren »geduldet«. Beim kleinsten Vergehen kann er abgeschoben werden. »Schweigen und Lächeln ist das Beste«, weiß er. Und warten – mit über 200 anderen »Wartenden« im Asylbewerberheim Krumpa. Weil ihm im Gefängnis in Mali »Schlimmeres« droht, will er nicht, daß sein richtiger Name bekannt wird.

Das Übergangswohnheim für Migranten in Krumpa, Sachen-Anhalt, gilt als Vorzeigeobjekt: Der Rasen vor dem langgestreckten unsanierten Altbau ist akkurat gemäht. Es gibt Sitzbänke und Tischtennisplatten, zwischen denen Kinder unter den wachsamen Blicken einiger Erwachsener umher laufen. Der Träger, der Betreuungs- und Integrationsverein Saalekreis, wirbt auf seiner Homepage mit einem frisch renovierten »Bibliothekzimmer«, einem »Clubraum« und einer hergerichtete Außenanlage. Sogar zwei Computerplätze und eine Reihe von »Hilfsangeboten« etwa für Behördengänge werden offeriert. Zufrieden zeigt sich an dieser Stelle auch Sachsen-Anhalts Integrationsbeauftragte und bescheinigt dem Asylbewerberheim »im Gegensatz zu anderen Einrichtungen dieser Art in Sachsen-Anhalt« einen »positiven Eindruck«. Eigentlich ist alles perfekt.

Doch schon der erste Blick hinter die Eingangstür zeigt, daß gar nichts perfekt ist: Kahle Wände, brauner, abgwetzter Fußbodenbelag, der vermutlich seit Jahrzehnten nicht gewechselt wurde. Nummerierte Türen reihen sich aneinander. Manche öffnen sich, Bewohner schauen neugierig heraus, grüßen freundlich auf deutsch. Tomi weiß, warum: »Langeweile. Besuch von ›draußen‹ verirrt sich höchst selten hierher.« Dann macht er darauf aufmerksam, daß »der Betreiber es nicht erlaubt, hier zu fotografieren«.

Das im Internet angepriesene »Bibliothekzimmer« und den »Clubraum« sucht man in den Fluren vergebens. Die gebe es wohl, stellt Tomi klar, »allerdings sind diese Räume ständig verschlossen«. »Für jede Nutzung müssen wir erst einen Antrag stellen.« Das aber kostet »Zeit und Nerven; vor allem mangelhafte Deutschkenntnisse und der rüde Ton des Personals hindern die Bewohner daran«. An die Kinder, die hier leben, hat man offenbar gar nicht gedacht: Ein Spielzimmer für die Kinder existiert im Haus Tomis Wissens nach nicht. »Besonders im Winter und an Regentagen ist das für die Familien eine Katastrophe«, klagt er. Und auch die versprochenen »Hilfsangebote« vom Verein bestehen »eher aus Anordnungen, Gängeleien und Verboten«.

Doch die wären bitter nötig. Jeder Einkauf, jeder Behördengang, jeder Arztbesuch ist mit extrem hohem logistischen Aufwand verbunden. Das Asylbewerberheim liegt außerhalb von Krumpa – vom 1100-Einwohner-Dorf ist nicht viel zu sehen. Supermarkt und Arzt sind 20 Gehminuten entfernt. Und jeder Arztbesuch muß beantragt werden. »Wegen der langen Behördenwege dauert das aber manchmal Tage«, erklärt der Flüchtling und ergänzt: »Braucht man etwas, das es in Krumpa nicht gibt, bleibt nur die etwa einstündige Fahrt mit dem Fahrrad in die nächste Kleinstadt, Braunsbedra.« Es gibt zwar einen kleinen Bahnhof in Krumpa unweit des Heimes und auch Busse fahren. »Doch die Tickets kann sich von uns niemand leisten«.

Von 315 Euro pro Monat – vor der vom Bundesverfassungsgericht im Juli dieses Jahres angeordneten Aufstockung der Leistungen für Asylbewerber waren es knapp 200 Euro – müssen die Flüchtlinge alles bezahlen: Essen, Kleidung, Hygieneartikel, Putzmittel, Fahrkarten, Zuzahlung für Medikamente. Ausgenommen sind, zumindest in Krumpa, »Haushaltsgüter«. Wie aus einem Bescheid hervorgeht, behält der Landkreis dafür monatlich 31 Euro von der eigentlich vorgesehenen Grundleistung ein. »Haushaltsgüter« bekommen die Migranten nämlich – gebraucht – beim Einzug gestellt: Kochtopf, Pfanne, Teller, Tasse, Eßbesteck, Bettwäsche.

Bis zu 285 Asylbewerber aus etwa 28 Staaten mit meist ungeklärtem Aufenthaltsstatus sind im Übergangswohnheim Krumpa auf drei Etagen untergebracht. Die etwa zwölf Quadratmeter großen Zimmer bewohnen sie normalerweise zu dritt. Die gesetzliche Mindestgröße für den Zwinger eines deutschen Schäferhundes liegt bei zehn Quadratmetern.

»Ich habe noch Glück«, sagt der 19jährige Samir aus Afghanistan. Er teilt sich sein Zimmer »nur« mit einem weiteren Flüchtling. Auf engstem Raum stehen zwei Betten, ein kleiner Kühlschrank, ein Kleider- und ein Küchenschrank, drei Stühle, ein Fernseher. Die Möbel sind abgewetzt, manche völlig kaputt. Die Bezüge zweier Stühle sind zerrissen, Metallfedern hängen herunter – ein Haufen Sperrmüll. An die kahle Wand über seinem Bett hat Samir Blumen- und Landschaftsbilder gepinnt: Eine heile Welt, die hier irgendwie nicht herpaßt. Das Fenster läßt sich nur mit Mühe öffnen und »man muß aufpassen, daß es nicht herunterfällt«. Eigentlich ist es doppelt verglast, »doch eine Scheibe fehlt, seit vielen Monaten«. Vom Holzrahmen ist die Farbe komplett abgeblättert; er ist völlig ist vermodert. Der Gußheizkörper darunter, offenbar ein Relikt aus frühen DDR-Zeiten, ist verrostet. Die Zimmerbewohner haben Handtücher darüber gehängt, »damit man das nicht so sieht«. Der Rost sei aber das geringste Problem. »Wenn es kalt ist, wird es hier kaum warm, und es zieht fürchterlich.«

Auf jeder Etage steht den Flüchtlingen eine Gemeinschaftsküche zur Verfügung. Und ein Bad: fünf Toiletten, vier Waschbecken und drei Duschen. Beim Öffnen der Tür huscht eine Kakerlake zwischen die Ritzen loser Fliesen. Die Rohre an den Toiletten sind an manchen Stellen provisorisch abgedichtet. Rost- und Wasserflecken an Wänden zeugen von undichten Stellen. Das Bad sieht nicht aus, als würde hier nicht geputzt. Es hat eher den Charakter eines Bahnhofsklos. Auch warmes Wasser ist für die Asylbewerber offenbar streng rationiert. »Das reicht höchstens für drei Personen pro Tag«, resümiert Samir. Die Bewohner haben mehrfach darauf aufmerksam gemacht. Die Reaktion sei immer die gleiche gewesen: »Dann duschen Sie eben kalt.« »Trotz ständiger Nachfragen wird hier kaum etwas instand gesetzt«, bemängelt er.

Zumindest betriebswirtschaftlich rechnet sich das. Denn laut einem Leistungsbescheid bekommt der Trägerverein für die Unterbringung monatlich 160 Euro pro Asylbewerber vom Saalekreis – bei zwei bis drei Personen eine stattliche »Zimmermiete« von 320 bis 480 Euro.

»Ein großes Problem«, meint Samir, »sind die vielen Kakerlaken«. Sein Zimmer liegt gegenüber der Küche. Das mache es besonders schlimm. »Die Tiere sitzen überall unter den Schränken, manchmal fallen sie sogar nachts von der Decke.« Hin und wieder unternimmt der Träger etwas dagegen, wie er versichert. »Doch mittlerweile sind diese schwarzen Käfer wohl immun gegen Insektengifte.«

Samir lebt seit anderthalb Jahren in der Bundesrepublik. Er hat nur einen Wunsch: »Ich will endlich eine Ausbildung machen, arbeiten und ein ganz normales Leben führen.« Das aber darf er nicht, solange sein Aufenthaltsstatus noch unsicher ist. »Das Schlimmste ist das Nichtstun und Rumsitzen: Immer nur schlafen, essen, herumlaufen, warten auf Reaktionen von Behörden. Und daß man nie für sich sein kann.« Samir glaubt, daß das »Lagerleben« ihn krank macht. »Ich fühle mich immer müde und traurig. Vielleicht liegt das an den vielen Medikamenten«, überlegt er. Die bekommt er gegen die starken Schmerzen, die eine Verletzung an seinem Oberkörper verursacht. Die Wunde ist großflächig und scheint schlecht verheilt. Sie stammt von Splittern einer Bombe, die vor zwei Jahren das Haus, in dem er zuletzt lebte, traf. Seine Großmutter wurde dabei »zerfetzt«, er mußte es mit ansehen. Als Dreizehnjähriger hat er bereits seine Eltern und Geschwister verloren. Genau weiß er nicht, was passiert ist. »Nach einem Angriff waren sie einfach weg«.

Seine Wunde wird medizinisch behandelt. »Der Arzt sagt, ich müßte eigentlich dringend operiert werden.« Warum das bisher nicht geschehen ist, weiß er nicht. »Es heißt immer, ich muß warten, bis irgend etwas geklärt ist.« Statt dessen nimmt er täglich Tabletten. »Die sollen auch gegen Depressionen und Schlafprobleme helfen«, hat man ihm erklärt. »Ich grübele immer und denke oft an meine Familie. Und an die Toten. Ich habe viele gesehen: Männer, Frauen, Kinder, Babys.« Psychologisch betreut wird er deshalb nicht.

Samir und Tomi würden am liebsten in einer eigenen kleinen Wohnung leben. »Nicht in Krumpa oder Braunsbedra, da hassen uns die Leute. Aber vielleicht in Halle.« Beide haben mehrfach Anträge gestellt. Der Flüchtlingsrat und eine Initiative haben ihnen dabei geholfen. Doch von den Behörden wurde bisher alles abgelehnt. Tomi kann das nicht verstehen: »Es gibt so viel Wohnungsleerstand.« Willkommen in Deutschland fühlt er sich nicht. »Aber wo soll ich hin? Ich habe keine Heimat mehr. Wenn ich nach Mali zurückgehe, stecken sie mich sofort in ein Gefängnis. Da drohen schlimmste Mißhandlungen«. Tomi war als Jugendlicher politisch aktiv, wie er berichtet. Zuletzt hat er mit anderen ein gerichtliches Verfahren gegen Polizisten gefordert. »Wir waren in der Nähe, als sie auf offener Straße einen Autofahrer erschossen haben, einfach, weil er nicht schnell genug auf ihren Wink hin angehalten hat.« Die Polizei habe die Demonstranten »verprügelt und mitgenommen«. Er sei »durch einen Zufall geradeso entkommen«.

Tomi winkt ab: »Wir sind eben dazu verdonnert, hier tatenlos herumzusitzen. Manche über viele Jahre. Da kann man nichts machen«. Ihm ist klar: »Man muß jeden Tag aufpassen, daß einen diese Situation nicht komplett runterzieht.« Und findet plötzlich, daß er genug geredet hat. »Nicht immerzu grübeln!« Tomi steht auf, nimmt einen großen Stoffsack vom Schrank. Feierlich packt er seine Kora aus, eine afrikanische Stegharfe. Das Instrument sei sein ganzer Stolz und die einzige materielle Erinnerung an sein Heimatland. Bevor er zu spielen beginnt, wartet er auf Zustimmung. Er musiziere nämlich nur, wenn ihm jemand zuhört, »also sehr selten«, erklärt der 22jährige und lächelt: »Als Junge wollte ich immer Musiker werden.«

Die Initiative Oury Jalloh e.V und die Initiative Togo Action Plus e.V fordern:
Die Schliessung des Lagers Krumpa (Merseburg) in Sachsen Anhalt ! Und andere auch !
Dezentrale Wohnungen für die Geflüchteten und Aufenthaltsrecht für alle !

PM als PDF: Pressemitteilung_17-10-2012

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