Anmerkungen zur Sendung KRIPO LIVE

vom 21. August 2016 um 19:50 Uhr auf MDR

Pressemitteilung als pdf

Video-Link: http://www.mdr.de/mediathek/video-41308_zc-89922dc9_zs-df360c07.html

Anmerkung: Nach der routinemäßigen Entfernung des Sendebeitrages aus der MDR-Mediathek wird Ihnen das Video auch weiter auf der Homepage, den sozialen Medien und dem YouTube-Kanal der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh zur Verfügung stehen. https://www.youtube.com/channel/UC_3BctcgqrXuHUzZ6ycobqw

Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau informiert in Person ihres Sprechers StA Olaf Braun über Prämien der Polizeidirektion Ost (Dessau) für Hinweise zum Matratzenbrandmord an einem weißen deutschen Familienvater um die Weihnachtszeit 2015…

verschiedene Tierschutzorganisationen stellen hohe Preisgelder für die Ergreifung von Wolfs-Mördern in Aussicht…

UND DANN…

der Fall Oury Jalloh bei KRIPO LIVE im MDR um 19:50 Uhr plus 16:43 min Laufzeit… …ein Mensch verbrennt in einer Polizeizelle in Dessau…an allen Vieren fixiert…auf einer feuerfesten Matratze…in einer gefliesten Zelle…im Polizeigewahrsam…

am Ende des Beitrags erfolgt leider KEIN AUFRUF zur Mitteilung sachdienlicher Hinweise zum 7. Januar 2005 oder über mögliche „Prahlereien“ von Polizisten des Reviers zum Verbrennen des Afrikaners…und natürlich auch ist von keinerlei Geldprämie die Rede…

STATTDESSEN belügt der hier ebenfalls zuständige Staatsanwalt Olaf Braun erneut die mediale Öffentlichkeit des MDR_KRIPO_LIVE-Publikums wie folgt:

  • Braun: „Das Ergebnis war, dass die Matratze ohne Brandbeschleuniger in Brand gesetzt werden konnte und auch weitestgehend abgebrannt ist.“

RICHTIG ist: …dass bereits der im Ermittlungs- und Gerichtsverfahren von der Staatsanwaltschaft selbst bestellte Gutachter Brandoberrat Klaus Steinbach festgestellt hat, dass für die Entzündung einer solchen Matratze eine Eröffnung der feuerabweisenden Hülle von mindestens 20x20cm notwendig ist (wobei es nach Zeugenaussagen NIE Anhaltspunkte für eine vorliegende Beschädigung der Matratze in Zelle Nr.5 gegeben hat!), und ein vollständiges Abbrennen eigentlich nur mit weiteren Schäden in der Matratzenhülle zur Luftzufuhr erreicht werden könne.

Auch der Brandexperte Maksim Smirnou hat diese Aussage in seinem Gutachten von 2013 unter Nutzung jeweils intakter Matratzen bestätigt gefunden – der anfangs offene Matratzenbrand des PU-Schaums an der Eröffnungsstelle ging im Bereich der intakten Hüllenzone dann in einen Schwelbrand über, der wiederum durch den jeweiligen Auflagedruck des Schweinekadavers beendet wurde.

Die Konditionen für die Entzündung eines Brandes waren also bekannt – und auch die jetzigen „Experten“ haben sich mindestens an diese Primäreröffnung der Matratzenhülle von 20x20cm gehalten, um das Feuer überhaupt in Gang setzen zu können.

Dass die Matratze beim Versuchsaufbau der „unabhängigen, [angeblich] wieder von ‚Null‘ beginnenden Gutachter“ in Schmiedeberg „weitestgehend“ abgebrannt ist, liegt wohl eher an den fehlerhaften Versuchsaufbauten der Experten, die in vielen Einzelheiten für eine Brandförderung im „Experiment“ gesorgt haben dürften (siehe weiter unten).

  • Braun: „Das war kein ‚Schweinetorso‘, das hatten wir zunächst beabsichtigt, das geht aber leider aus »veterinär-rechtlichen« Gründen nicht…“

FRAGLICH ist hier: …welche »veterinär-rechtliche« Bedenken denn konkret in Sachsen gegen ansonsten international übliche Brandvergleichsversuche mit Schweinekadavern vorgebracht worden sein sollen – und wenn ja von wem?

Lag es etwa an einer fehlenden Filterungsmöglichkeit für die Rauchgase bei offenem Fenster gegenüber dem Zellennachbau, dessen Tür im Versuchsablauf wie vorgesehen geöffnet wurde – oder nicht vielleicht doch eher am Vegetarismus des technisch verantwortlichen „Institutsleiters“ Thorsten Prein (»Ich bin Vegetarier und dagegen.« https://www.jungewelt.de/2016/08-20/012.php oder „Thorsten Prein, Leiter des Brandschutzbüros BFB-IS und Hausherr in Schmiedeberg, wird ungehalten: Man könne hier doch keine Schweinehälften reinschleppen. Er persönlich lehne das als Vegetarier ab. Zudem könnten so die Temperatursensoren nicht angebracht werden.“ aus http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/DEUTSCHLAND/Wie-starb-Oury-Jalloh-artikel9608187.php)?

  • Braun: „Es wurde ein Torso nachgebaut mit Ton und ‚weiteren Materialien‘(?!), die ‚wärmespeichernd‘ sind, um durch ein »VORHEIZEN« eine Temperatur von ungefähr 37 Grad für den Dummy zu erreichen…“

RICHTIG ist: …dass dieses »VORHEIZEN« ganz offensichtlich aber von außen her über die Raumluft und vermittels eines ventilierenden Radiators erfolgte. Hierdurch wurden jedoch nicht nur der Dummy, sondern auch der gesamte Versuchsaufbau inklusive der Trockenbaukonstruktion und der gesamten Matratze ‚aufgeheizt‘. Im Gegensatz dazu wurde als maßgebliche Vorgabe für die „Zimmertemperatur“ am 7.1.2005 mit 23°C angeben – die Temperatur der winterkalten Halbkeller-Wände der Zelle Nr.5 wurden hingegen vollständig vernachlässigt.

Zudem erscheint die ausschließliche Fokussierung auf die unorganische „Wärmespeicherung“ des Dummys vor Brandbeginn insbesondere vor dem Hintergrund der fast vollständigen Abwesenheit der Simulation körpergebundenen Wassers im Dummy mehr als nur fraglich und eher auf eine Brandförderung des Gesamtkonstruktes ausgelegt zu sein.

  • Braun: „…und der (Anm.: der Dummy) wurde dann zusätzlich noch mit Schweinefett und Schweinehaut belegt, um »unter anderem auch die Sensoren zu schützen«“

RICHTIG ist: …dass dieser „Belag“ mit Schweinefett und offener Schweinehaut zu einer unmittelbaren Brandbeschleunigung durch das dem Feuer direkt zur Verfügung stehende Fett geführt hat – das kann wohl jede/r nachvollziehen, die/der über Grillerfahrung verfügt.

Weshalb ein solches Vorgehen dem „Schutz“ von Messgeräten dienen soll, erschließt sich nicht – erst recht nicht, warum der Sensorschutz bei diesem Versuchsaufbau einen Vorrang vor der bestmöglichen Nachstellung der Brandsituation vom 7.1.2005 haben sollte?

  • Braun: „Es sollte keine Verfälschung durch ein »OFFENES SCHWEIN« stattfinden, weil da dann zum Beispiel Flüssigkeit austreten kann und den Brandverlauf beeinflussen könnte.“

RICHTIG ist: …dass ein Schweinekadaver im Vergleich mit den durch die „unabhängigen Experten“ gewählten Schweinehautstreifen mit Fett auf heißer Aluminiumfolie alleine durch die intakte Haut und die natürlichen organischen Strukturen darunter den besseren Vergleich zu einem Menschen bietet. Wenn man allerdings gleich im Versuchsaufbau einen organischen Brandbeschleuniger „einbauen“ will, kann man auch mit einem „verfälschenden Flüssigkeitsaustritt“ in einem anerkannten Versuchsaufbau mit Schweinekadavern ablenken – ganz so, als hätte man sich dabei extra noch Mühe gegeben…

  • Braun: „Wir haben diesen Versuch durchführen lassen, um noch einmal den Zeitablauf genau zu überprüfen…um zu schauen, das was derzeit an »FAKTEN« haben – an zeitlichen Fakten – passt das mit dem Brandablauf zusammen oder nicht.“

RICHTIG ist: …dass der Zeitablauf der Nachstellung ganz wesentlich vom situativen Nachbau des Brandgeschehens abhängig ist – wenn also der Versuchsaufbau in vielen Einzelparametern eben nicht den Gegebenheiten in der originalen Brandzelle entspricht …

  • unorganischer Dummy mit Auflage von offenen Schweinehautstreifen und Schweinefett als unmittelbarem organischen Brandbeschleuniger – insbesondere im Bereich der Bein-Dummies mit vergleichsweise geringem Auflagedruck,
  • auf 37°C vorgeheizte Trockenbauzelle ohne Fliesen [statt Mauerwerk mit Fliesen],
  • viel zu kleine Matratze mit unnötiger Vorzerstörung und unzulässigem Abstand zur Wand,
  • fehlender Auflagedruck des Dummys im Bereich des menschlichen Beckens [durch luftige Steinwolle in der Hose – hier bildete sich dann auch eine direkte Feuerbrücke von der rechten auf die linke Matratzenseite!] mit den zusätzlichen Rändern der Schweinehautstreifen zur Fettverbrennung vom Oberkörper- und den Bein-Dummies,
  • ein Metalldrahtzug zur Aufrichtung des Dummys, der unten direkt die Matratze eingedrückt und deren Hülle nach Erhitzung schmelzend „aufgeschnitten“ haben dürfte,
  • ein weit geöffnetes Fenster direkt gegenüber, der nach anfänglichem Brandverlauf ebenfalls weit geöffneten Tür der Trockenbauzelle

dann kann der gemessene Zeitablauf eben aber auch nicht als „realistische“ Nachstellung des Brandgeschehens vom 7.1.2005 gewertet werden!

Übrigens hatte der im Zusammenhang mit dem Brandgutachten von Maksim Smirnou 2013 als federführender forensischer (fallkundiger) Sachverständiger hinzugezogene Gutachter Prof. em. DDr. Kauert (Toxikologie) in Zusammenarbeit mit dem ebenfalls gerichtlich fallkundigen Rechtsmediziner Prof. Dr. Bohnert zwar ein Vorgutachten zu den möglichen Abläufen des Brandgeschehens erstellt und im Übrigen eine interdisziplinäre Vorgehensweise bei den erwartbar komplexen Experimentalversuchen vorgeschlagen.

Der Gerichtsmediziner und der Toxikologe wurden jedoch durch die jetzt unerwartete Vorgabe der Staatsanwaltschaft, die nunmehr „unabhängigen, ergebnisoffenen und transparenten“ Ermittlungshandlungen bei „Null“ und „bewusst“ ohne fallkundigen Sachverstand zu beginnen quasi ‚suspendiert‘ (fallkundige Befangenheit?)

Die letzte Frage, die Anchor-Mann Axel Bulthaupt dem Staatsanwalt Braun dann noch stellt, klingt verdächtig rhetorisch: „Es ist also der Versuch, das Ganze möglichst »REALISTISCH« nachzustellen?“

In Anbetracht der manipulativen Abweichungen des Versuchsaufbaues von Schmiedeberg – sowohl von der Ausgangsituation vom 7.1.2005 her gesehen, als auch was die international unüblichen organischen, physikalischen und brandforensischen „Simulationen“ betrifft – kann diese Frage schon jetzt mit einem eindeutigen NEIN beantwortet werden.

Initiative in Gedenken an Oury Jalloh

! ! ! O U R Y J A L L O H — D A S WAR M O R D ! ! !

A U K L Ä R U N G statt V E R T U S C H U N G !

KEIN FEUERZEUG – KEINE „SELBSTENTZÜNDUNG“ – KEIN „SELBSTMORD“ !!!

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