500 Menschen fordern Gerechtigkeit für Adel!

Bericht zur Kundgebung in Essen, am 20.06.20    siehe auch Facebook

Gestern fand die Kundgebung des „Bündnisses gegen rassistische
Polizeigewalt in Essen” aus Anlass des Jahrestages der Ermordung von
Adel B. statt. An die 500 Menschen beteiligten sich an der Kundgebung am
Ehrenzeller Platz in Altendorf, unweit von dem Ort, an dem Adel am 18.
Juni 2019 von Essener Polizisten erschossen wurde. Über zwei Stunden
hinweg gab es Redebeiträge von Betroffenen von rassistischer
Polizeigewalt und unterschiedlichen Initiativen zur Aufklärung
verschiedener Morde durch die Polizei. Unter anderen sprach die
Initiative Oury Jalloh und denunzierte das Vorgehen des Staates,
Menschen mit Repression und Gewalt zu überziehen, wenn diese für die
Aufklärung der Todesumstände kämpfen. Auch die Initiative Amad A. war
anwesend und sprach über den recht unbekannten Fall aus Kleve. Amad A.
ist ebenfalls wie Oury Jalloh in einer Gefängniszelle verbrannt. In
spontanen Redebeiträgen schilderten viele Betroffene ihre unmittelbare
Erfahrungen mit rassistisch motivierten Übergriffen seitens der Polizei
und brachten ihre Wut über die bestehende Verhältnisse zum Ausdruck.

Im Vorfeld der gestrigen Versammlung war die Frage des Todes von Adel
über zwei Wochen hinweg wieder Thema in der Presse. In Kommentaren und
Interviews mit dem Polizeipräsident, dem Oberbürgermeister und dem
Ordnungsdezernent wurde der Protest gegen rassistische Polizeigewalt als
grundlos dargestellt und insbesondere der Kampf um Gerechtigkeit für
Adel mit Schmutz beworfen. Die eigentlich als Demonstration angemeldete
Veranstaltung war im Vorfeld von der Polizei unter dem Vorwand von
„Corona-Maßnahmen” verboten und auf eine Kundgebung beschränkt
worden. Um so begrüßenswerter finden wir die Initiative vieler
Kundgebungsteilnehmer, die sich spontan, nach dem die Kundgebung beendet
wurde, dazu entschieden sich die Straße zu nehmen und lautstark die
Forderung nach Gerechtigkeit für Adel auf die Straße zu tragen. So
beteiligten sich im Anschluss der Kundgebung etwa 300 Menschen an einem
Demonstrationszug über die Altendorfer Straße, die zum dem Ort
führte, an dem Adel das erste Mal von der Polizei bedroht wurde und
schließlich dorthin wo Adel erschossen wurde. Nach einer kurzen,
kämpferischen Rede von Adels Mutter und einer Schweigeminute wurde die
Demo kurz darauf für Beendet erklärt.

Wir bedanken uns bei all den Altendorfern, die uns in diesen Tagen ihre
Solidarität zum Ausdruck gebracht haben, bei all den Menschen, die den
unglaublichen Mut aufgebracht haben vor Hunderten über ihre Erfahrung
mit Rassismus und Polizeiübergriffen zu berichten und bei all den
Freunden, die uns in diesen Tagen unterstützt haben.

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