Pressemitteilung der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh, vom 28.08.20

Sonderberater des Landtages Sachsen-Anhalt  stellen juristische Urteile und Entscheidungen nicht in Frage, übernehmen die Täterversion und kriminaliseren das Opfer

                                                                                         Magdeburg, am 28.08.2020

Pressemitteilung der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh zu dem Bericht der Sonderberater vom 26.08.2020, präsentiert am 28.08.2020 im Rechtsausschuss des Landtages von Sachsen-Anhalt                                                 

»Die Fesstellungen der Gerichte, wonach Oury Jallow durch ein von ihm selbst entfachtes Feuer gestorben ist und eine Tötung durch Dritte ausscheide, müssen – im Sinne einer objektiven Wahrheit – richtig sein. Für diesen Bericht jedenfalls sind es – als prozessual ermittelte Wahrheit – rechtskräftig feststehende Tatsachen, welche in Frage zu stellen vom an die Berater ergangenen Auftrag nicht gedeckt sind.«                                                         Link>PM als PDF

(Bericht der Sonderberater Jerzey Montag und Manfred Nötzel, 26.08.2020)

Wie bereits in dem gesamten juristischen Verfahren festzustellen war, so ist auch die Auftragsstellung der Sonderbearter von Vorn herein einseitig festgelegt:

Sie übernehmen die Täterversionen, vernachlässigen den Korpsgeist und bestätigen richterliche und staatsanwaltliche Entscheidungen. Entgegen der vorliegenden Beweislage wollen auch sie keine weiteren Ermittlungsansätze erkennen können ..


Den Einschätzungen der Berater können folgende Fakten entgegengebracht werden:

1. Oury Jalloh hatte kein Zündmittel, um den Brand zu legen!

Das Feuerzug, dass erst drei Tage nach dem Brand auftauchte, kann aufgrund der Spurenlage nicht am Tatort gewesen sein: Es enhält ausschließlich tatortfremde Fasern und DNA, die mit Sicherheit nicht von Oury Jalloh ist, sondern von einem Europäer stammt.

Die Staatsanwaltschaft Dessau hat sich bis zum Schluss geweigert die Spuren und Tierhaare, die ebenfalls mit dem Feuerzeug verschmolzen sind, zu untersuchen. Seit Jahren fordern wir im Namen der Familie Oury Jallohs die Herausgabe des Feuerzeuges, um diese Untersuchungen bei einem forensischen Biologen selbst in Auftrag geben zu können.

2. Oury Jalloh kann das Feuer nicht selbst gelegt haben, da die Rekonstruktion des Brandbildes nicht ohne die Verwendung von Brandbeschleunigern erreicht werden kann.

Das hat sowohl das Brandgutachten des irischen Brandsachverständigen Maksim Smirnou im Jahr 2013 als auch das von der Staatsanwaltschaft Dessau in Auftrag gegeben Brandgutachten aus dem Jahr 2016 ergeben.

Nach Rücksprache mit mehreren Sachverständigen hatte der damalige Leitende Oberstaatsanwalt Folker Bittmann Ermittlungen wegen Mordes gegen zwei Polizisten des Reviers eingeleitet.

3. Ausblendung des Korpsgeistes innerhalb der Polizei.

Unhinterfragt übernehmen die vom Landtag eingesetzten Sonderberater die Aussagen der Polizeibeamten und lassen klar erkennbare Widersprüche unberücksichtigt. Es ist eine Behauptung der Polizeibeamten, die bei der Ingewahrsamnahme dabei waren, dass er seinen Kopf gegen Tisch und Wand geschlagen hätte. Dabei negieren sie das fachradiologische Gutachten des Dr. Bodelle, der eindeutig einen Nasenbeinbruch, Schädelbruch und zwei gebrochene Rippen zu Lebzeiten des Oury Jallohs festgestellt hat. Wobei sie sich dabei auf die Entscheidung des OLG Naumburg vom Oktober 2019 berufen. Angeblich weist das Gutachten diverse Schwächen auf. »Lassen theoretische ein Mordmotive erkennen«, aber es gibt heute keine Möglichkeiten, diese Verletzungen einzelnen Beamten zuzuordnen und damit auch nicht, einzlenen Beamten gegenüber den Vorwurf eines Verdeckungsmordes zu erheben.

Zudem verurteilen wir die erneute Kriminalisierung von Oury Jalloh – es ist eine wiederholte Demütigung des Opfers und der Angehörigen. Die Art und Weise, in welcher die Sonderberater über das Opfer sprechen ist unmenschlich und dient scheinbar dem Zweck einer nachträglichen Legitimierung der grausamen Folter durch die Polizeibeamten in rechtskonservativer Manier.

Oury Jalloh das war Mord!

Break the Silence! – Amandla Ewethu! – No Justice No Peace!

 

 

1 thought on “Pressemitteilung der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh, vom 28.08.20

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.